Berlin : Hoffen und vertrauen

Martin Woelffer, Intendant der Ku’damm-Bühnen, setzt auf den Denkmalschutz und weitere Gespräche

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Herr Woelffer, was versprechen Sie sich vom Denkmalschutz für Ihre Bühnen?

Das würde einen Abriss erheblich erschweren. Ausgeschlossen ist er auch dann nicht. Selbst denkmalgeschützte Gebäude können beseitigt werden, aber es würde sehr schwer werden. Es gibt auch keinen Grund, weshalb die Bühnen nicht unter Schutz stehen. Beide Gebäude bestehen noch so, wie sie Max Reinhardt vor 80 Jahren gebaut hat. Es sind ja nach wie vor zwei getrennte Gebäude, die vom Ku’damm- Karree eingefasst sind.

Was halten Sie von Stadtrat Gröhlers Äußerung, der Spielbetrieb sei durch den Denkmalschutz nicht gesichert?

Ich sehe das so: Jetzt diskutieren wir den Abriss, und der wäre beim Denkmalschutz zumindest nicht mehr so leicht. Den Spielbetrieb sichern kann langfristig nur eine Miete, die wir auch bezahlen können. Im Vergleich zu staatlichen Bühnen zahlen wir viel, im Vergleich zu Kettenläden relativ wenig. Dass wir ohne staatliche Gelder den Spielbetrieb erfolgreich gestalten, beweisen wir Jahr für Jahr.

Warum ist die Diskussion über einen Denkmalschutz Anfang der 1990er Jahre abgeebbt?

Schwer zu sagen, im Zuge der Wende mussten plötzlich unglaublich viele denkmalrechtliche Untersuchungen in östlichen Bezirken gemacht werden. Interessant ist aber, dass die Akten zu unseren Bühnen beim Denkmalamt unvollständig sind. Das hat Alice Ströver herausgefunden, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus. Es klaffen große Lücken seit 1990. Offenbar sollte die Diskussion über den Denkmalschutz damals nicht weitergeführt werden.

Beeinflusst die Denkmal-Diskussion Ihre Gespräche mit dem Vermieter?

Bis jetzt noch nicht. Wir sind in einem guten Kontakt, und der Vorstand der Deutschen Bank sitzt mit am Tisch.

Sprechen Sie bald wieder miteinander?

Wir treffen uns in nächster Zeit. Ich kann dazu aber jetzt nichts weiter sagen, wir haben Stillschweigen vereinbart.

Welche Auswirkungen haben die Ankündigungen Ihrer prominenten Unterstützer, die Geschäftsbeziehungen zur Deutschen Bank einzustellen oder zurückzufahren?

Das kann ich schwer einschätzen. Ich glaube aber, dass bei der Bank nachgedacht wurde, je öfter sich jemand persönlich für uns verwendet hat. Ich glaube, die Bedeutung der Bühnen für die Stadt konnte man vorher in Frankfurt nicht einschätzen.

Werden Sie demnächst beginnen, doch nach einem Ausweichstandort für Ihre Bühnen zu suchen?

Nein, wir konzentrieren uns auf die Gespräche mit der Bank und vertrauen auf ein gutes Ende. Ein Verlust der Bühnen wäre ja nicht nur furchtbar für uns, sondern auch furchtbar für die Stadt. Sie stehen seit acht Jahrzehnten für Berliner Theatergeschichte.

Die Fragen stellte Matthias Oloew

MARTIN WOELFFER leitet als Intendant

das Theater und

die Komödie am

Kurfürstendamm. Sein größter Erfolg

als Regisseur war die Gründung der Berlin- Comedian Harmonists

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