Berlin : „Hoffentlich war das kein Vorspiel für den 1. Mai“

Nach den Unruhen im Mauerpark am Donnerstag wachsen die Befürchtungen: Endet die Walpurgisnacht im Krawall – wie vergangenes Jahr?

Lars von Törne

Nach den Unruhen im Mauerpark am Donnerstagabend hoffen Polizei, Anwohner und Bezirkspolitiker, dass die Ausschreitungen kein Vorgeschmack auf die kommende Woche waren. Ganz auszuschließen sei es allerdings nicht, dass es in dem Park in Prenzlauer Berg auch nächsten Mittwoch, am Vorabend des 1. Mai, wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen kann, heißt es bei der Polizei. Denn die Ausschreitungen am Donnerstag waren kein Einzelfall.

Bereits zwei Nächte zuvor war es zu ähnlichen Unruhen gekommen. Auch da waren Polizei und Feuerwehr eingeschritten, nachdem ein größeres Feuer entzündet worden war, um das sich eine Menschengruppe versammelt hatte, berichtet Polizei-Dienstgruppenleiter Boris Meier. Am Donnerstag dann sei die Gewalt dadurch eskaliert, dass Feuerwehrleute und Polizisten beim Versuch, ein Lagerfeuer auf dem Rasen zu löschen, aus einer Gruppe von 200 Menschen mit Steinen und Flaschen beworfen wurden. Wie berichtet, war ein 16-Jähriger festgenommen worden. Als etwa 60 Personen ihn befreien wollten, setzte die Polizei Pfefferspray ein.

Das kleine, schmucklose Gelände neben der Max-Schmeling-Halle ist seit Jahren Schauplatz eines immer wiederkehrenden Rituals: An warmen Abenden versammelt sich hier eine bunte Mischung von Menschen, darunter auch viele Anwohner, die friedlich den Ort genießen. Es wird getrunken, musiziert, gegrillt. Sobald aber jemand ein etwas größeres Feuer entzündet oder die mitgebrachten Trommeln zu laut geschlagen werden, schreitet die Polizei ein. Und alle paar Wochen eskaliert der Konflikt. Wie auch im vergangenen Jahr am 30. April, der Walpurgisnacht. Stundenlang hielt damals die Randale die Polizei in Atem. Entstanden war der Krawall durch vereinzelte Provokationen am Rande eines eigentlich friedlichen Festes.

„Ich hoffe, dass die jüngsten Ereignisse kein Vorspiel für den 1. Mai waren“, sagte der Pankower Stadtentwicklungsstadtrat Martin Federlein (CDU) gestern. Reinhard Kraetzer, ehemaliger Bürgermeister von Prenzlauer Berg, formuliert es pessimistischer: „Ich befürchte, es wird wieder eskalieren. Der Kreislauf der Provokation ist schwer zu durchbrechen.“ Einerseits sei die Polizei rechtlich dazu gezwungen, bei Feuern einzugreifen. Andererseits frage er sich, „ob die Beamten nicht manchmal überreagieren“. Auch Stadtrat Federlein denkt laut darüber nach, ob die Schäden, die durch die Feuer im Park angerichtet werden, tatsächlich Einsätze wie den in der vergangenen Woche rechtfertigen. „Da sind ein paar Quadratmeter Gras verbrannt, das erholt sich beim nächsten Regen wieder.“ Ex-Bürgermeister Kraetzer rät der Polizei zu „mehr Gelassenheit“. Dienstgruppenleiter Meier sieht für seine Beamten jedoch keinen Spielraum. „Feuer sind nun mal verboten. Also müssen wir einschreiten.“ Stadtrat Federlein hofft, dass das offiziell angemeldete Walpurgisfest mit Musik und Kultureinlagen am Mittwochabend „Störer abschreckt“ und eine weitere Eskalation vermeiden hilft. Die Aufrufe zum Fest im Internet stützen seine Hoffnung jedoch nicht. Unter dem Titel „Bekämpft den kapitalistischen Frieden“ lädt da eine Antifa-Gruppe in den Park. Die Internet-Seite einer anderen linken Gruppe, die ebenfalls für die Veranstaltung wirbt, trägt einen Namen, der die aktuellen Befürchtungen treffend benennen dürfte: „Stressfaktor“.

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