Hoffest : Sei Sahne, sei Schnitte, sei Berlin

Beim Hoffest des Regierenden ging es gestern Abend um den Plausch mit Freunden und ums Kulinarische - weniger um Politik. Klaus Wowereit lud Organisationen und Unternehmer aus der Hauptstadt ins Rote Rathaus ein.

Elisabeth Binder

BerlinVielen dargebotenen Häppchen widerstand der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gestern Abend beim ersten Rundgang über das Berliner Hoffest am Roten Rathaus. Bei geschmortem Wasserbüffel mit Himbeerchilijus von Holger Zurbrüggen und einem Mecklenburger Saitling von Michael Kempf wurde der bekennende Gourmet dann aber doch schwach. Er freue sich, dass erstmals die Berliner Meisterköche hier zeigten, dass sie die Berliner Gastronomie gemeinsam nach vorne bringen wollten, sagte er. Und auch Politik geht schließlich durch den Magen.

"Sei selbstbewusst, sei Berlin" – das war das heimliche Motto des Abends. Immer mehr Organisationen und Unternehmen nutzen das Fest, um sich und ihre Identifikation mit der Stadt zu zeigen, und Wowereit musste bei seinem Rundgang, der mit vielen Körperkontakten verbunden war, zahlreiche Fotostopps einlegen, probierte bei der Fluggesellschaft Germanwings den virtuellen Landeanflug und am Stand des Energieversorgers Nuon gemeinsam mit Christina Rau, die er erfreut als Ehrengast begrüßt hatte, ein neues holländisches Holzspiel. Deutlich war zu spüren: Je rarer sich der Regierende als Gast macht, desto begehrter wird er als Gastgeber.

Politik steht nicht im Vordergrund

"Im Vordergrund steht nicht die Politik, sondern der Austausch zwischen interessanten Menschen", gab Wowereit die Grundnote an. Auch die CDU-Politikerin Monika Grütters sagte, dass sie nur ein bisschen über Politik reden und erstmal ihre Freunde küssen wolle. Das Fest sei vor allem ein Dankeschön an die vielen Menschen, die sich engagierten, um die Stadt nach vorne zu bringen, und dafür zu sorgen, dass es den Menschen besser gehe, sagte Wowereit. Zwar habe man leider nicht alle Berliner einladen können, aber immerhin einen repräsentativen Querschnitt. Und an die Demonstranten gerichtet, die anfangs mit Trillerpfeifen "Wasser statt Wein" gefordert hatten, sagte er, dass dieses Fest von Sponsoren möglich gemacht und nicht aus Steuergeldern finanziert werde. So lieferte das KaDeWe zum Beispiel Hechtklößchen.

Die Kapitänin der Eishockeyladies vom OSC Berlin, Claudia Grundmann, schenkte dem Regierenden einen Schal als Dauereintrittskarte für die Heimspiele und probte anschließend mit den Gästen, darunter unter anderem der Unternehmer Hans Wall, Didi Hallervorden, RBB-Intendantin Dagmar Reim, Anne Momper, deren Mann in Israel ist, oder der frühere Botschafter Bernhard von der Planitz und seine Frau Gisela, Kniebeugen als kleines Vorabfitnesstraining für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Lebensfroh, kreativ und offen für Gäste

Es waren schon viele Blutwurstbrote und andere, zum Teil sehr verfeinerte, Berliner Spezialitäten vertilgt, schon viele Getränke, darunter bei dem kühlen Abend auch reichlich Glühwein, getrunken und viele Gummibärchen verteilt, als schließlich die gigantische Torte angeschnitten wurde. "Sei Sahne, sei Schnitte, sei Berlin", stand darauf. Nicht sehr lange.

In der Be-Berlin-Lounge konnten die Gäste ihren Assoziationen freien Lauf lassen, was Berlin sonst noch so alles sein und werden könnte. Für René Gurka, den Chef der Berlin Partner GmbH, war jedenfalls klar: Berlin hat sich von seiner besten Seite gezeigt: lebensfroh, kreativ und offen für Gäste.

Doch so sehr das Fest von Jahr zu Jahr ein Gradmesser ist für das Vorankommen der Stadt – auch viele Kreative, die sich schon auf einen großen Berlin-Auftritt in London nächste Woche freuten, waren dabei – so sehr wird in Details die Gültigkeit der alten Wahrheit auch wieder deutlich: Was immer auch sei, am Ende bleibt Berlin sich treu.

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