Berlin : Hoffnung auf einen Plattenvertrag

Orwo-Haus: Senatoren wollen Nachwuchsmusikern helfen, ihre Proberäume in Marzahn zu erhalten

Marc Neller

Es sah so aus, als würden 80 Nachwuchsbands ihre Proberäume im größten Musikerhaus Berlins verlieren (wir berichteten). Jetzt haben sie bei ihrem Bemühen, das Orwo-Haus in Marzahn weiter nutzen zu können, die Unterstützung des Kultur- und des Wirtschaftssenators.

Er habe ein „dezidiertes Interesse“ daran, das Orwo-Haus mit seiner besonderen Musikerszene zu erhalten, schreibt Kultursenator Thomas Flierl (PDS) in einem Brief an die Eigentümerin des OrwoHauses, die TLG Immobilien GmbH.

Brandschutzprüfer hatten dem Plattenbau in der Straße 13 erhebliche Mängel attestiert. Die TLG ließ daraufhin das Gebäude sperren, Mietverträge wurden gekündigt. Ein Nutzungskonzept der Musiker lehnte die TLG Mitte vergangener Woche ab. Sprecherin Sabine Pentrop sagte: „Wir glauben nicht, dass die jungen Leute in der Lage wären, das Haus wirtschaftlich zu betreiben.“

Das Ideenpapier der Musiker habe zwar Mängel, sagte Flierls Sprecher Torsten Wöhlert gestern. „Aber um ein seriöses Konzept zu erstellen, hätten sie von der TLG Informationen über die anfallenden Sanierungskosten benötigt.“ Volkmar Strauch, Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung, sagte, es sei bislang unklar, wie die TLG zu ihrer Aussage komme, dass das Haus nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei. „Wir kennen jedenfalls die einzelnen Beanstandungen nicht. Wir können uns vorstellen, dass es mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand machbar wäre, den Brandschutz herzustellen und damit die Probenräume wieder nutzbar zu machen“. Strauch forderte die TLG auf, einen entsprechenden Kostenvoranschlag nochmals zu prüfen und mit den Musikern über ein tragfähiges Konzept zu verhandeln.

Die TLG blieb gestern bei ihrer Haltung. Laut Sprecherin Sabine Pentrop „ändert sich für die TLG durch den Brief und das Bemühen der Senatoren nichts“. Die Immobiliengesellschaft wolle verkaufen. „Einen Interessenten gibt es aber nicht“, räumte Pentrop ein. Sie ließ sie offen, mit welchen Sanierungskosten die TLG kalkuliert hat.

Dennoch sagten sowohl Wöhlert als auch Strauch, sie seien „optimistisch“, dass die TLG ihre Linie überdenken werde. Man habe sich in guten Gesprächen schon einmal geeinigt: als es darum gegangen sei, die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg zu erhalten. „Damals hat der Senat Geld gegeben“, sagte Pentrop.

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