Berlin : Hoffnung für Polizei-Azubis: Die Besten dürfen bleiben

Die Innenverwaltung will nächstes Jahr 150 Anwärter übernehmen. Sie dürfen auf die Stellen von denen rücken, die Berlin verlassen

Otto Diederichs

Die Innenverwaltung will jetzt doch rund 150 Berliner Polizeischüler nach Ende ihrer Ausbildung im kommenden Jahr in den Polizeidienst übernehmen. Das sagte Sprecherin Henrike Morgenstern auf Anfrage. Die Azubis können sich auf Stellen bewerben, die frei werden, wenn Berliner Polizeibeamte in andere Bundesländer wechseln. Bisher war die Regel, dass jeder Beamte, der Berlin verlassen will, einen Tauschpartner finden musste, der wiederum nach Berlin wechseln wollte. Auf dieses Erfordernis will Innensenator Ehrhart Körting (SPD) nun verzichten. Statt dessen könnten die freien Stellen dann mit den Azubis besetzt werden.

Diese Stellen sollen in Absprache mit Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) nicht dem Einstellungsstopp unterliegen, sondern nach dem „Prinzip der Bestenauslese“ mit jungen Berliner Polizisten besetzt werden. Das spart dem Finanzsenator dennoch Geld, denn ein junger Beamtenanwärter ist allemal billiger als ein langgedienter Kommissar, der im Tausch aus einem anderen Bundesland nach Berlin kommt.

Generell ist die Zukunft der Berliner Polizeischüler aber weiter unklar. Fest steht nur, dass die 286, die noch in diesem Jahr fertig werden, in den Dienst der Landespolizei übernommen werden. Über den Verbleib der anderen wird weiter verhandelt, zum Beispiel mit dem Bundesinnenministerium, das bereit ist, die Azubis beim Bundesgrenzschutz (BGS) und beim Bundeskriminalamt (BKA) unterzubringen. Vom Bundesinnenministerium soll eine entsprechende Vereinbarung schon unterschrieben sein, allerdings sei sie von Berlin noch nicht gegengezeichnet.

Ursprünglich sollten die ersten Azubis schon im September in den Bundesgrenzschutz eintreten können. An der Landespolizeischule waren bereits reine BGS-Klassen gebildet worden. Die Verhandlungen waren dann aber ins Stocken geraten, weil sich Körting und Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bislang nicht über die Kosten einigen konnten. Informationen aus Sicherheitskreisen zufolge sollen diese Schwierigkeiten zumindest auf Seiten des Bundes inzwischen ausgeräumt sein. Danach sollen insgesamt 160 wechselwillige Berliner Polizeiazubis von BGS und BKA übernommen werden. Sie sollen ihre Ausbildung in Berlin beenden können, die Kosten will das Bundesinnenministerium mit dem Moment ihrer Ernennung beim BKA oder BGS übernehmen. Über deren Höhe ist derzeit nichts zu erfahren.

Wegen der ungewissen Aussichten bleibt auch die Anziehungskraft Hamburgs auf die verunsicherten Berliner Polizei-Azubis groß. Mehr als 800 haben sich bis Mitte letzter Woche bereits in der Hansestadt gemeldet. Die Ersten haben ihren Dienst an Alster und Elbe schon vor Monaten angetreten. Vorausgegangen war dem Wechsel eine Abwerbeaktion des Hamburger Innensenators Ronald Schill, der bei seinem Berliner Amtskollegen für erhebliche Verstimmung gesorgt hatte.

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