Hohenschönhausen : Ansturm auf den Stasi-Knast
11.07.2012 09:12 UhrAbneigung ostdeutscher Lehrer gegen das Thema
Die Gedenkstätte wird zur Hälfte vom Land Berlin und dem Bund finanziert, die dann bereit sein müssten, etwas mehr in die Aufarbeitung von DDR-Geschichte zu investieren. Obwohl, lohnen würde sich das allemal, findet Hubertus Knabe.
Gab es da nicht gerade eine ziemlich repräsentative Studie der Freien Universität Berlin (FU), wonach nur etwa ein Drittel der befragten 7500 Schüler der Klassenstufen neun und zehn die DDR als Diktatur bewertete? „Wer hier von ehemaligen Häftlingen durch die Zellen geführt wird, der weiß anschließend, was die DDR für ein Staat war“, sagt Knabe.
Für ihn ist das besonders wichtig, weil immerhin mehr als die Hälfte der registrierten Besucher Schüler sind, die meist klassenweise kommen. „Die haben im Geschichtsunterricht kaum noch Zeit“, sagt Knabe: „– oft nur zwei, drei Stunden für die deutsche Teilung inklusive DDR. Und manchmal können die Lehrer frei entscheiden, ob sie als Beispiel für eine Diktatur die DDR oder das sogenannte Dritte Reich behandeln, was vielen näher liegt.“
Bildergalerie: Die ehemalige Stasi-Zentrale in der Normannenstraße
Der Gedenkstättenleiter findet es auch nachdenkenswert, dass aus den alten Bundesländern weitaus mehr Schüler in die Gedenkstätte kommen als aus den neuen. So kamen 2010 rund 28 000 aus Nordrhein-Westfalen, 29 000 aus Bayern und 27 000 aus Baden-Württemberg. Aus Berlin kamen 10 000, aus den neuen Bundesländern jeweils nur 1000 bis 3000. Dass dies auch mit einer gewissen Abneigung ostdeutscher Lehrer gegen das Thema zu tun hat, ist für Hubertus Knabe naheliegend. Schließlich seien es zumeist die Lehrer, die das Programm für Klassenfahrten aufstellen. „Einmal hat eine Lehrerin aus Brandenburg beim Besuch des ehemaligen Gefängnisses hier gesagt, die DDR, die hier gezeigt werde, sei nicht die DDR, die sie erlebt habe“, erzählt er.
Jörg Drieselmann, der das sogenannte Stasi-Museum in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) leitet, findet solche Reaktionen nicht ungewöhnlich. „Wenn man in einer dieser furchtbaren Zellen steht und das Leid der Gefangenen regelrecht spürt, kann man schlecht das soziale System in der DDR loben“, sagt er. Das sei für viele schmerzhaft – und lehrreich.
Auch am Stasi-Museum in der Normannenstraße gibt es wachsendes Interesse, sagt Drieselmann. 2011 waren es rund 100 000 Besucher, in diesem Jahr könnten es 120 000 werden. Im Gegensatz zur Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen gibt es hier aber genügend Kapazität und räumliche Alternativen. Deshalb musste man noch keine Besucherwünsche ablehnen. Meinungsseite




















