Berlin : Hohenschönhausen: Bezirk plant Zuwanderungsdebatte

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Pünktlich zum 15. Geburtstag des Bezirks schlägt Bezirksbürgermeisterin Bärbel Grygier (PDS) Alarm. Die Geburtenzahl in ihrem Bezirk geht deutlich zurück. Gab es kurz vor der Wende den Höchstand mit 1894 Geburten pro Jahr, kamen im vergangenen Jahr nur 706 Baby in Hohenschönhausen auf die Welt. Eine Untersuchung der Plan- und Leitstelle des Bezirksamtes hat ergeben, dass zudem seit 1996 jährlich etwa 2400 Menschen, vorwiegend Familien, wegziehen. Bärbel Grygier möchte nun Ausländer dazu bewegen, nach Hohenschönhausen zu ziehen, um die Bewohnerzahl konstant zu halten.

Dazu müssten jedes Jahr 2500 Ausländer in den Bezirk ziehen. Derzeit leben 111 000 Menschen in Hohenschönhausen. 1990 waren es 120 000. Noch 1997 hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 123 000 Einwohner für 2010 prognostiziert, doch jetzt hat sie die Zahl auf 104 000 korrigiert.

Hohenschönhausen hat auch heute noch eine überdurchschnittlich junge Bewölkerung. Die Altersgruppe der 12- bis 20-Jährigen und der 35- bis 45-Jährigen ist besonders stark vertreten. Das liegt daran, dass 1985 sehr viele junge Familien in die Neubauten gezogen sind. Die Demographen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung haben sich jedoch mit ihren Prognosen geirrt, als 1994 mit 649 Geburten der Tiefstand erreicht war. Sie sind damals davon ausgegangen, dass sich die Zahl im Lauf der Jahre an den Weststand anpassen wird. "Noch heute liegt sie 30 Prozent darunter", sagt Johannes Spatz von der Abteilung Gesundheit, Plan- und Leitstelle Gesundheit. Neben zahlreichen Kitas würden in den nächsten drei Jahren neun von 23 Grundschulen geschlossen.

Safter Ǥnar, der Sprecher des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg, ist allerdings skeptisch, dass dem Bezirk die neue "Einwanderungspolitik" gelingen wird. "Das ist gut gemeint", sagt er. Aber noch immer seien die Vorbehalte von Ausländern, in einige Ostbezirke zu ziehen, sehr groß. "Die wollen sich nicht in Gefahr bringen" sagt er. Aber er stellt auch fest, dass es in Hohenschönhausen keine Übergriffe auf Ausländer gibt. Tatsächlich beträgt zehn Jahre nach der Einheit der Ausländeranteil in dem Bezirk weniger als fünf Prozent. Skeptisch ist auch die Ausländerbeauftragte des Bezirks, Bärbel Olhagaray. "Für den freiwilligen Umzug ist der Bezirk nicht reizvoll genug", sagt sie. Trotz vorhandenen billigen Wohnraums würden die Entfernung von der Innenstadt und die fehlenden Arbeitsplätze eher abschrecken. Auch gebe es nicht genug Räume, zum Beispiel für Cafés und Vereine.

"Wir wollen nicht die etablierten Zuwanderer aus den Westbezirken hierher locken", meint dagegen Pressesprecherin Diana Eisenach. Vielmehr ginge es darum, eine Einwanderungsdebatte, wie sie im Moment an vielen Orten in Deutschland stattfinde, auszulösen. Konzepte, wie die Idee umgesetzt werden könnte, lägen noch nicht vor.

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