Hohenschönhausen : Missbrauch in Heilig-Kreuz: Geschockter Gemeinderat

Mit Schock, Entsetzen und Scham hat der Gemeinderat der katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Hohenschönhausen auf den Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen durch einen Priester reagiert.

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„Die meisten Mitglieder haben von dem Fall leider erst aus der Zeitung erfahren“, sagte der Beauftragte des Berliner Erzbistums für Missbrauchsfälle, Dompropst Stefan Dybowski, nach der Aussprache am Sonnabend in der Kirche am Malchower Weg. „Alle fragen sich natürlich, wieso so ein Ereignis lange Zeit verschwiegen werden konnte.“ Künftig wolle man die Sensibilität zum Erkennen von Missbrauchsfällen stärken. Dennoch gelte im Erzbistum weiterhin die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, teilte Dybowski mit.

Wie berichtet, hatte Berlins Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky bereits im Juli 2009 von Beschuldigungen und Verdächtigungen gegen einen Priester der Heilig-Kreuz-Gemeinde erfahren. Ein mutmaßliches Opfer und seine Eltern berichteten damals über sexuelle Übergriffe des Priesters während eines Freizeitausfluges im Jahre 2001. Danach wurde der Geistliche suspendiert. Die Gemeinde erhielt nur die Auskunft, der Priester werde aus „gesundheitlichen Gründen“ sein Amt nicht mehr ausüben.

Kein Mitglied des 14-köpfigen Gemeinderates wollte sich am Sonnabend nach der gut zweistündigen Beratung auf ein längeres Gespräch einlassen. „Wir werden am sonntäglichen Gottesdienst erst mit der ganzen Gemeinde reden“, sagte ein älterer Mann. „Uns hat es heute förmlich die Sprache verschlagen.“ Andere Mitglieder gingen wortlos und kopfschüttelnd zu ihren Autos. Andere zogen sich in das Gebäude der 1988 geweihten Kirche zurück und baten um Rücksicht. „Dazu kann man noch gar nichts sagen“, meinte eine Frau. Ihre Nachbarin hoffte noch, dass die Vorwürfe möglicherweise entkräftet würden. Doch dafür stehen die Chancen schlecht. Claus-Dieter Steyer

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