Berlin : Hohlkugel

Barbara Nolte

Es geht um die Tektonik von Erdplatten. Das klingt spröde. Die verschachtelte Konstruktion von „Symes Entdeckung“ macht es dem Leser zunächst auch nicht leicht: Douglas Pitt, Wissenschaftler, Ende dreißig, forscht in der British Library zu Samuel Syme, der beweisen wollte, dass die Erde hohl ist. Dabei, nimmt Pitt an, habe er vor 200 Jahren das Prinzip der Kontinentaldrift entdeckt.

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Benjamin Markovits’ Debütroman spielt in zwei Jahrhunderten. Bevor er im 19. Jahrhundert ankommt – im ländlich-staubigen Amerika zu Lebzeiten Sam Symes’ – breitet Markovits dessen fantastisch-wissenschaftliches Weltbild aus. Er schildert es mit einer Detailliebe, die den Roman etwa in der Geschwindigkeit der Eurasischen Kontinentalplatte vorankommen lässt. Dass die Geschichte dennoch einen Sog entfaltet, liegt an der differenzierten Psychologie der Figuren und an Markovits’ Reflektionen über den schmalen Grat zwischen Forschertalent und Fanatismus. So findig und verzweifelt, wie Syme seine Theorie einer hohlen Welt beweisen will, so getrieben ist Pitt davon, die Entdeckungsgeschichte der Plattentektonik umzuschreiben. Er hat keine Wahl: Sollte er keine Beweise für Symes Entdeckung finden, ist seine Karriere beendet. Markovits Roman ist ein Plädoyer gegen die pragmatische Buchhalterwissenschaft, in der nur Kleinstthesen verifiziert werden. Mit Sympathie beschreibt er diese beiden wissenschaftlichen Hasardeure, für die es nur zweierlei gibt: den ganz großen Wurf oder das Scheitern.

Benjamin Markovits: Symes Entdeckung. Roman. Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger. Insel Verlag, Frankfurt a.M. 656 Seiten, 24,80 €.

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