Berlin : Hol’ schon mal den Wagen

Mercedes eröffnet seine neue Vertriebszentrale in Friedrichshain – und feiert am Abend die neue S-Klasse.

Kalle Harberg
Übergabe erfolgreich. Peter Beckers, stellvertretender Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg (links), und Mercedes-Vertriebschef Harald Schuff eröffnen das neue Gebäude an der Mühlenstraße. Foto: dpa Foto: dpa
Übergabe erfolgreich. Peter Beckers, stellvertretender Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg (links), und...Foto: dpa

Deutlich bequemer als bei ihm auf dem Amt sei es hier, witzelte Peter Beckers. Geschenkt. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg hatte sich soeben in einen der modernen Bürosessel fallen lassen und lehnte sich weit zurück. Ja, hier könne man arbeiten. Beckers jedenfalls scheint das neue markante Gebäude in seinem Stadtteil zu gefallen, das in Anwesenheit vieler geladener Gäste aus Wirtschaft und Politik offiziell übergeben wurde.

Dabei hatte es um die Zentrale des Mercedes-Benz-Vertriebs am Spreeufer in unmittelbarer Nähe zur O2-Arena viel Kritik gegeben. Viel zu dunkel sei die schwarze Fassade aus Metall und Glas des13-stöckigen Gebäudes, hieß es in der linken Szene, außerdem widerspreche die Ansiedlung des Konzerns dem Ethos des hippen Stadtteils. Diese Meinung teilten die Gäste am Donnerstag selbstredend nicht. „Die Glasfassade reflektiert das Geschehen in der Umgebung, lässt aber auch den Blick ins Innere zu“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zu Beginn. „Dabei setzt das Gebäude Maßstäbe für die weitere Bebauung des Areals.“

Mitte Juli werden die 1200 Mitarbeiter des Mercedes-Vertriebes aus den vier Berliner Standorten in die Zentrale an der Mühlenstraße umsiedeln. Bis dahin sollen das Hochhaus und seine drei sechsstöckigen Gebäudefinger vollständig eingerichtet sein. Was im Inneren schon heute zu sehen ist, steht in starkem Kontrast zu der kühlen Fassade der Black Box: ein warmes Grün an den Wänden, Böden aus Eiche und Kalkstein, die Gänge durchflutet von jeder Menge Licht. Während der Arbeitszeit sollen sich die Mitarbeiter in kleine „Dialogräume“ zurückziehen können. Im obersten Stockwerk, auf dessen Dach der riesige Mercedes-Stern langsam rotiert, gibt es ein Fitnessstudio für besonders fleißige Angestellte. Gewichte stemmen mit Blick auf die Spree, das gefällt den Mitarbeitern, die selbst über die Einrichtung entscheiden durften. „Wenn die Sonne untergeht, sieht man wirklich, wie der Fluss sich in der Außenfassade spiegelt“, sagte eine Mitarbeiterin bei der Eröffnung.

Am selben Abend veranstaltete Mercedes bereits das nächste Großereignis: In der Mercedes-Welt am Salzufer in Charlottenburg wurde die neue S-Klasse enthüllt, der Luxusschlitten des Automobilherstellers schlechthin. Schauspieler wie Katja Flint und Frank Kessler standen auf der Gästeliste, aber es waren Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, Diskus-Olympiasieger Robert Harting und Ex-Formel-1-Fahrer David Coulthard, die als erste das schwarze Tuch vom Silberpfeil rissen – bloß, dass er nicht silbern war, sondern so schwarz wie die Vertriebszentrale ein paar Kilometer entfernt. Das sei bei Demonstrationswagen nun mal so, sagte Walter Müller, seines Zeichens Direktor der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin.

Und wie fährt sich der neue Wagen nun? „Man könnte meinen, er wäre für Berlins Straßen geschaffen", so Müller. Schlaglöcher fühle er in den bequemen Sitzen jedenfalls nicht mehr. „Das Gefühl kennt man sonst nur vom Business-Jet." Coulthard würde ihn sich für die Stadt nicht kaufen, sagte er, wohl aber für Reisen mit der Familie. Dabei hat er schon drei Silberpfeile in der Garage. „Mein Vater war Mercedes-Mann durch und durch. Und wenn man seinen Vater stolz machen will, fährt man dann Mercedes." Kalle Harberg

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