Berlin : Holländische Investoren ersteigern Funkhaus

Nachauktion bringt 3,9 Millionen Euro. Sachsen-Anhalt: Berlin blockierte Teilung

Stefan Jacobs

Das ehemalige DDR-Funkhaus an der Nalepastraße hat einen neuen Eigentümer. In einer Nachauktion bekam eine von Holland aus tätige Investorengruppe den Zuschlag für 3,9 Millionen Euro. Nach einer Nachtsitzung sei am Mittwoch „alles eingetütet“ gewesen, sagte Auktionator Mark Karhausen. Die Nachauktion war nötig geworden, weil sich der ursprüngliche Höchstbieter der Auktion am Samstag als unseriös erwiesen habe: Statt eine Anzahlung auf die gebotenen 4,75 Millionen Euro zu leisten, sei der Berliner Schönheitschirurg verschwunden. Karhausen erwägt rechtliche Schritte. Die neuen Erwerber halte er hingegen für seriös.

Die „Keshet Geschäftsführungs GmbH & Co. Radio Center Berlin KG“ wurde nach Auskunft ihres Notars Volker Heinz erst Tage vor der Auktion gegründet. Die Muttergesellschaft Keshet sei europaweit im Immobiliengeschäft. Man wolle das Rundfunkzentrum „erhalten und verbessern“. Nach seiner Auskunft hat der Verkäufer ihm auch den benachbarten Grundstücksteil an der Rummelsburger Landstraße angeboten. Das Angebot sei von Nico Thiele gekommen. Dieser ist Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft – und Sohn des Chefs jener Baufirma aus Sachsen-Anhalt, die das gesamte Objekt im November für nur 350 000 Euro von der Liegenschaftsgesellschaft von Sachsen-Anhalt (Limsa) gekauft und zur Vermarktung dreigeteilt hatte. Damit könnte die Firma ein Geschäft in zweistelliger Millionenhöhe machen. Das ließen sich Berlin und die anderen neuen Länder entgehen. Die CDU fordert deshalb eine Sondersitzung des Medienausschusses.

Das Finanzministerium von Sachsen-Anhalt erklärte gestern Abend, dass schon die Limsa als Verwalter das knapp 14 Hektar große Areal habe teilen wollen, um es teurer verkaufen zu können. Diese „intensiven Versuche“ seien an der Mehrheit der neuen Länder als Eigentümer gescheitert, „insbesondere am Widerstand Berlins“. Eine „am Tage des Vertragsabschlusses versuchte Verhinderung des Verkaufs durch Berlin“ sei „durch alle übrigen Länder“ zurückgewiesen worden. „Gleichwohl hat Berlin die Vollmacht für den Verkauf nicht zurückgezogen.“ Die Berliner Finanzverwaltung wollte dies zunächst nicht kommentieren. Jedoch habe man die anderen Länder eindringlich gebeten, den Vertrag mit der Baufirma nicht sofort zu unterschreiben – vergeblich. Zugleich habe angesichts der Betriebskosten von monatlich mehr als 100 000 Euro die Gefahr von Regressforderungen der anderen Länder bestanden.

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