• Hollywood in Berlin: Liam Neeson stellte seinen neuen Film vor - ausgerechnet im Adlon

Hollywood in Berlin : Liam Neeson stellte seinen neuen Film vor - ausgerechnet im Adlon

Der Schauspieler hat schon oft in Berlin gedreht und dabei auch kulinarische Entdeckungen gemacht. Der Titel seines aktuellen Films könnte als Motto über vielen seiner Actionstreifen stehen: „Ruhet in Frieden“.

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Treffpunkt Bodemuseum. Liam Neeson (hier mit Diane Kruger und Bruno Ganz) kam bei den Dreharbeiten zu "Unknown Identity" ziemlich weit rum in Berlin.
Treffpunkt Bodemuseum. Liam Neeson (hier mit Diane Kruger und Bruno Ganz) kam bei den Dreharbeiten zu "Unknown Identity" ziemlich...Foto: picture alliance / dpa

Verbrecher, so heißt es, kehren immer wieder an den Ort ihrer Tat zurück. Nun ist Liam Neeson zwar alles andere als ein Verbrecher, aber zum Adlon hat er doch ein besonderes Verhältnis. Sie erinnern sich doch, damals in den Wintermonaten Anfang 2010, als das Hotel am Pariser Platz in die Luft flog? Eines Tages lagen mächtige Betonbrocken an der Nordwestecke des Gebäudes, darunter ein Taxi mit zerbeultem Dach, Terror und Zerstörung mitten in Berlin, nur den Feuerball hat niemand gesehen, die Detonation niemand gehört. Die durfte man, ein Triumph der Computeranimation, erst auf der Berlinale des folgenden Jahres bewundern, als der Thriller „Unknown Identity“ endlich zu sehen war.

Liam Neeson als New Yorker Privatdetektiv Matthew Scudder in "Ruhet in Frieden"
Liam Neeson als New Yorker Privatdetektiv Matthew Scudder in "Ruhet in Frieden"Foto: Promo

Das Adlon war einer der Hauptdrehorte des Films mit seinem Star Liam Neeson. Am Montag nun hatte man das Hotel zu dem Ort erkoren, in dem der Schauspieler den hiesigen Interviewmarathon zu seinem neuen Thriller absolvierte: „Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones“. Natürlich wieder ein Thriller, auf das Genre ist Neeson, der doch auch mal Oskar Schindler war, mittlerweile abonniert. In diesem Fall als New Yorker Ex-Cop Matthew Scudder, der nach erheblichen Alkoholproblemen und einem aus dem Ruder gelaufenen Einsatz den Dienst quittiert hat und sich nun als unlizensierter Privatermittler durchs nicht sehr glanzvolle Leben schlägt. Aktueller Fall: die Suche nach den Mördern der Frau eines Dealers, die erst entführt wurde und dann, trotz Zahlung eines Lösegeldes, nur zerstückelt zurückkam – in der Welt dieses Films kein Einzelfall.

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Die Romanvorlage stammt von dem amerikanischen Bestseller-Autor Lawrence Block, es war schon der zehnte in seiner Reihe mit der Figur Matt Scudder, die Produzent Michael Shamberg sogar in einer Reihe mit Sam Spade und Philip Marlow sieht. Neeson, so hatte dieser schon im Vorfeld des Berlinbesuchs wissen lassen, erinnerte der Roman mit seinem einsamen Helden eher an die Welt der skandinavischen Krimis, durch die er sich gerade grub, als man ihm die Rolle anbot. „Hier geht es um eine vergleichbare Figur, die sich in einer sehr schmutzigen, kahlen und feuchten Gegend von New York bewegt, die wir nicht oft zu sehen bekommen.“ Scudder – ein amerikanischer Wallander? Wie auch immer: Neeson hat der als Racheengel engagierte Privatdetektiv fasziniert. „Ich finde einsame Figuren spannend, die selbst Dinge in die Hand nehmen. Es umgibt sie etwas Rätselhaftes, etwas Männliches und Stoisches. Scudder ist so ein einsamer Mensch. Er ist in mehrerer Hinsicht ein gebrochener Mann und dennoch gibt es moralische Gedanken in ihm und eine Würde, die er sich aus seiner Zeit als Polizist bewahrt hat.“

Der Schauspieler kennt Berlin mittlerweile recht gut, hat hier drei Monate gedreht und seine Kenntnisse immer mal wieder durch Kurzbesuche aufgefrischt. So, als er vor zwei Jahren die Premiere seines Actionfilms „96 Hours – Taken 2“ feierte und nebenbei wissen ließ, welches hier während des „Unknown Identity“-Drehs sein Lieblingslokal gewesen sei, Lutter & Wegner nämlich, wo er besonders gern „Black Pudding“, Blutwurst also, isst.

Ein halbes Jahr zuvor hatte Neeson, der gern versichert, dass er „eigentlich kein harter Kerl“ sei, in Berlin gleich zwei Filme auf einen Schlag präsentiert, das Science-Fiction-Spektakel „Battleship“ und das Alaska-Drama „The Grey – Unter Wölfen“. Die Dreharbeiten zu dem Actionfilm mit Tieren hatten seinerzeit verhindert, dass er der Berlinale-Premiere von „Unknown Identity“ beiwohnen konnte. Die Zuschauer haben sich auch so daran delektiert, wie er und Regisseur Jaume Collet-Serra die Stadt zu Kleinholz machten: der Sturz im Taxi von der Oberbaumbrücke, für den im Studio Babelsberg ein immer noch gern genutzter Riesentank gebaut wurde; die Verfolgungsjagd in der Friedrichstraße, bei der der Geländewagen des Killers in eine Straßenbahn kracht, schließlich die Explosion im Adlon und all die anderen Szenen in vertrauter Umgebung: Berlin hätte damals einen Oscar verdient.

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