Holocaust-Mahnmal : Täglich 10.000 Besucher

Im ersten Jahr haben rund 3,5 Millionen Menschen das Holocaust-Mahnmal besucht. Bundestagsvizepräsident Thierse würdigte das Denkmal als "Stein des Anstoßes".

Berlin - Die Reaktionen auf das Denkmal für die ermordeten Juden Europas seien aber noch immer zwiespältig, sagte die Initiatorin Lea Rosh am Montag. «Etwa die Hälfte der Bevölkerung nimmt das Mahnmal an. Ich hoffe, wir können einen Teil der anderen Hälfte noch überzeugen», betonte Rosh in Berlin.

Das Mahnmal am Brandenburger Tor und der angeschlossene Ort der Information, in dem die Stationen des Holocausts sowie Einzelschicksale dokumentiert werden, waren am 12. Mai 2005 für die Besucher geöffnet worden. Den unterirdischen Informationsort besuchten bisher 490 000 Menschen. Entworfen hat das 20 000 Quadratmeter große Mahnmal am Brandenburger Tor mit seinen 2700 Betonstelen der amerikanische Architekt Peter Eisenman.

Die Besucher verhielten sich in ihrer großen Mehrheit der Würde des Mahnmal entsprechend. «Niemand ist krawallig und auf Radau aus», sagte Rosh. Täglich würden das Mahnmal durchschnittlich 10 000 Menschen besuchen. Entgegen ersten Befürchtungen seien die Stelen kaum beschädigt worden. Nur fünf Hakenkreuze, vier Davidsterne und ein Graffito seien in den vergangenen zwölf Monaten gezählt worden.

Bundestagsvizepräsident Wolfang Thierse würdigte das weltweit positive Echo auf das Denkmal. Das Mahnmal sei ein «Stein des Anstoßes» im Zentrum der deutschen Hauptstadt, sagte der Vorsitzende der Denkmal-Stiftung.

Befürchtungen, das Denkmal am Brandenburger Tor würde die Aufmerksamkeit zum Nachteil der authentischen Orte der Erinnerung auf sich ziehen, hätten sich nicht bestätigt. «Die Besucherzahlen in den anderen Gedenkstätten haben weiter zugenommen», unterstrich Thierse. Das Mahnmal nach einem Entwurf des amerikanischen Architekten Peter Eisenman mit 2700 Betonstelen sowie der unterirdische Ort der Information waren nach rund zehnjähriger Debatte am 12. Mai 2005 eröffnet worden.

Rosh kritisierte heftig den Bau eines rund 150 Meter langen Besucherpavillons für Gastronomie und Sanitäranlagen am Rande des Mahnmals. Der Holzbau, der als Provisorium entsteht, sei in seinen Dimensionen «abartig und absurd». Dagegen sagte der Geschäftsführer der vom Bund getragenen Mahnmal-Stiftung, Uwe Neumärker, die Pavillons seien «ein gangbarer Kompromiss». In drei Jahren solle dort ohnehin ein achtgeschossiges Gebäude entstehen.

In Berlins jüdischer Gemeinde sei das Mahnmal nach langen Debatten vorwiegend positiv aufgenommen worden, sagte der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe. Er kritisierte Pläne für einen Deutschland-Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Wenn deutsche Politiker das Mahnmal ernst nehmen, dürften sie «diesen Holocaust-Leugner» nicht empfangen.

Der von Rosh und dem Historiker Eberhard Jäckel gegründete Förderkreis für den Mahnmal-Bau will mit Hilfe von Spendern die Namen von 3,2 Millionen Holocaust-Opfern im Ort der Information dokumentieren. Die Namen wurden von der israelischen Gedenkstätte Jad Vaschem zur Verfügung gestellt. (tso/dpa)

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