Berlin : Holocaust-Mahnmal: Werbung läuft, Bagger stehen

Claudia Schiffer ruft im Fernsehen zu Spenden für die Gedenkstätte auf. Aber der Baubeginn verzögert sich immer weiter

Stefan Jacobs

Der Förderkreis zur Errichtung des Holocaust-Mahnmals hat eine zweite Werbeaktion gestartet. Statt provokanter Plakate soll diesmal Claudia Schiffer die Menschen zum Spenden für Gedenkstätte und Informationszentrum animieren – ab sofort will RTL den Fernsehspot kostenlos ausstrahlen, in dem das Ex-Model allerdings nicht zu sehen, sondern nur zu hören ist. Auf dem zunächst völlig weißen Fernsehschirm erscheint eine Telefonnummer, über die pro Anruf drei Euro zu Gunsten des Förderkreises eingezogen werden. Dazu Schiffers Stimme: „Zwischen 1941 und 1945 wurden sechs Millionen europäische Juden von Deutschen ermordet. Jetzt, 60 Jahre danach, ist in Berlin mit dem Bau eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas begonnen worden.“

Der zweite Satz stimmt allerdings nicht ganz, denn der Baubeginn verzögert sich immer weiter. Nach Auskunft von Sibylle Quack, Geschäftsführerin der als Bauherrin fungierenden Stiftung, wird die europaweite Ausschreibung des Projektes Mitte November erneut im Amtsblatt veröffentlicht. Dann müssten die Angebote gesichtet werden, Baustart sei im Frühjahr. „Wir hoffen, dass das Mahnmal mit den 2700 Betonstelen und der Rohbau des ,Ortes der Information‘ bis Ende 2004 fertiggestellt sind“, sagte Quack.

Das Gros der auf 27 Millionen Euro geschätzten Baukosten übernimmt der Bund; rund ein Zehntel will der Förderkreis um die Publizistin Lea Rosh sammeln. Zu der Verzögerung sagte Rosh: „Die Senatsbauverwaltung hat eine fehlerhafte Ausschreibung gemacht. Das ist ärgerlich, kostet Zeit, kostet Geld, aber das ist halt so.“ Der Förderkreis stehe zu seinem Spendenziel und habe bisher rund 600 000 Euro gesammelt. Allein die Plakataktion im vergangenen Jahr habe knapp 80 000 Euro eingebracht. „Wenn wir sie hätten weiterführen können, wäre es zwei oder drei Mal so viel geworden“, sagte Rosh gestern. Die Plakate mit dem über eine idyllische Berglandschaft gedruckten Slogan „den Holocaust hat es nie gegeben“ waren nach großem Wirbel und mehreren Strafanzeigen vorzeitig wieder entfernt worden.

Doch zumindest haben die Plakate Aufmerksamkeit erregt – auch die von Claudia Schiffer. Sie habe sich selbst an den Förderkreis gewandt und Unterstützung angeboten, berichtet Rosh. Daraufhin hätten Mitarbeiter der Werbeagentur „Kakoii“ den neuen, politisch hundertprozentig korrekten Spot entworfen und dem Model präsentiert. Schiffer sei „unglaublich gut vorbereitet gewesen“, sagt Rosh, und in der Werbeagentur heißt es: „Sie war begeistert von der Idee, dass sie nicht im Bild erscheint, sondern nur ihre Stimme zu hören ist.“ Der Inhalt sei „bis aufs letzte Komma“ mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), dem Vorsitzenden der Mahnmal-Stiftung, abgestimmt worden.

Eine andere Frage ist, wie viele Menschen die Botschaft erreichen wird. Die Agentur hat den Spot an 22 Fernsehsender geschickt. Die ARD hat bereits abgesagt, MTV auch; die anderen prüfen noch. Die Zusage von RTL ist bisher die einzige.

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