Berlin : Holocaust-Plakat: "Die nächste Kampagne wird viel zurückgenommener"

Frau Rosh[Sie haben die Vorwürfe des ehemali]

Frau Rosh, Sie haben die Vorwürfe des ehemaligen KZ-Häftlings als "lächerlich" bezeichnet. Das klingt kaltschnäuzig ...

Die Vokabel war nicht gut. Sie war nicht auf den Mann bezogen, sondern darauf, dass dem Förderkreis die Leugnung des Holocaust unterstellt wird.

Berührt es Sie nicht, dass ein Jude, der selber im KZ gelitten hat und Familienangehörige in Auschwitz verlor, ein Plakat mit dem Satz "den holocaust hat es nie gegeben" als Zumutung und Volksverhetzung empfindet?

Es berührt mich natürlich schon. Weil mich berührt, was in dem Mann los ist. Ich weiß, was das heißt, wenn wieder diese ganzen schrecklichen Erinnerungen aufgewühlt werden, denn ich habe mit ungefähr 200 Überlebenden des Holocaust Interviews gemacht. Es tut mir auch für den Mann sehr Leid. Aber mir tut für ihn noch mehr Leid, dass er dieses Plakat so missversteht. Weil er die Augen zumacht vor dem, was wir sagen. Der Satz ist ein Zitat, das nimmt er offenbar nicht zur Kenntnis. Sonst könnte er uns nicht die Leugnung des Holocaust unterstellen. Und er nimmt die Erklärung nicht zur Kenntnis, dass viele Leute heute noch den Holocaust leugnen. Wir schreiben ja extra "Spenden Sie deshalb für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas".

Wären Sie aus Rücksicht auf die Empfindungen ehemaliger KZ-Häftlinge bereit, das Plakat an der DG Bank abhängen zu lassen?

Das ginge nun wirklich zu weit, wegen einer Strafanzeige dieses Plakat abzunehmen. Es gibt ja auch andere Opfer, deren Zustimmung zum Spendenaufruf kann man doch nicht ignorieren. Außerdem besteht der Förderkreis nicht aus Leuten, die so eine Kampagne leichtfertig aus dem Ärmel schütteln. Wir haben wochenlang mit der Agentur geredet. Zunächst hatte der Slogan sogar keine Anführungsstriche. Ich habe darauf bestanden, sie einzufügen. Übrigens hat der Förderkreis einen ersten Entwurf abgelehnt. Da war auf einem Plakat ein gelber Stern zu sehen, und darunter stand in kleiner Schrift "Zukunft braucht Erinnerung". Da habe ich gesagt, das kann man den Menschen nicht antun, da zuckt man zusammen. Obwohl die Idee natürlich intellektuell richtig ist, zu sagen: Man nimmt damit den Nazis die Stigmatisierung dieses Sterns weg.

Glauben Sie weiterhin, der Holocaust eigne sich für einen Werbegag mit Berglandschaft?

Es ist kein Werbegag. Das weise ich wirklich von uns. Wir machen keine Gags. Wir kämpfen seit 13 Jahren um dieses Denkmal. Dass wir Gags landen, das lasse ich nicht auf uns sitzen. Der Förderkreis meint es sehr ernst. Aber man dringt mit herkömmlichen oder gut gemeinten Projekten heute nicht mehr durch. Wir haben auf dem Gelände des Mahnmals eine Lichtinstallation gemacht, die war sehr schön. Doch nur eine Zeitung hat berichtet und ein Farbfoto gebracht. Das haben wir am Zaun aufgehängt. Es ist nicht eine einzige Mark auf unserem Konto angekommen. Die heutige Zeit ist eben grobschlächtiger, darauf müssen wir reagieren.

Sind Sie etwa für grobschlächtigen Umgang mit dem Holocaust?

Die nächste Kampagne, die wir im Frühjahr machen, ist viel zurückgenommener. Sie zeigt stilisiert das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals. Ich finde das Motiv sehr schön. Wir hatten es schon zusammen mit dem jetzigen Bild in der Schublade. Aber der Förderkreis hat bewusst entschieden, zunächst mit einer provozierenden Kampagne endlich die Gleichgültigen wachzurütteln und einzubeziehen in die Spendenkampagne.

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