Berlin : Homo-Ehe: Standesämter trauen ab Mittwoch im Akkord

Annekatrin Looss

Im Schöneberger Standesamt herrscht der Ausnahmezustand. Die Beamten bereiten sich auf die ersten Trauungen von homosexuellen Paaren am kommenden Mittwoch vor. "Wir sind ausgereizt bis an den Stehkragen", sagt Amtsleiterin Aßmann. Irgendwann habe man aufgehört, die Anfragen zu zählen. Es waren Hunderte.

Die erste gleichgeschlechtliche Trauung findet am kommenden Mittwoch um 9 Uhr statt. Danach sei man für zwei Wochen komplett ausgebucht. "Wir trauen je fünf homosexuelle und fünf heterosexuelle Pärchen täglich." Die Zeremonie sei an die einer gewöhnlichen Trauung angelehnt, mit musikalischer Untermalung, wenn die Pärchen das wollen. Auch der Text erinnere an den, der bei herkömmlichen Trauungen gesprochen werde. Die Beamten erwarten das Kommende mit Spannung. Die homosexuellen Pärchen seien wahnsinnig nett, unheimlich euphorisch und, wahrscheinlich weil sie so lange warten mussten - "wahnsinnig kooperativ", schwärmt Aßmann.

Zum Thema Online-Umfrage: Spiegelt das Ja zur Homo-Ehe die Stimmung in der Bevölkerung wider? Eine wahre Nachfrageflut hatte auch das Standesamt in Mitte zu bewältigen. Über 200 Anfragen seien in der letzten Woche dort eingegangen, sagt Amtsleiter Rainer Ahnert. Am kommenden Mittwoch führe man deswegen von 9 bis 12.30 Uhr eine Sondersprechstunde zur Anmeldung von Lebenspartnerschaften durch. "Wir werden versuchen, Paare die vormittags mit vollständigen Papieren kommen, schon nachmittags zu trauen", erklärt Ahnert. Auf romantische Extras, wie die Trauung auf dem Fernsehturm, im französischen Dom oder auf einem Spreedampfer werden die Spontanentschlossenen wohl verzichten müssen. Später biete man diese Möglichkeiten aber selbstverständlich wieder an.

Gelassener reagiert man im Standesamt Zehlendorf. Der 1. August werde zunächst ein reiner Auskunftstag für homosexuelle Paare. Erst danach würden Anmeldungen für die Eintragung einer Lebenspartnerschaft angenommen, heißt es dort.

Rund 40 Interessierte rufen täglich im Standesamt Charlottenburg an. Die ersten Paare, die die für die Partnerschaft nötigen Unterlagen einreichen, werden in diesen Tagen erwartet. Am 1. August werden jeweils zehn Lebenspartnerschaften in den Standesämtern Charlottenburg und Wilmersdorf eingetragen. "Wir stehen für den Ansturm bereit", sagt Amtsleiterin Sylvia Brenke. Heterosexuelle Paare werden an diesem Tag nicht getraut. Dafür widmet man sich mit ganzer Kraft der neuen Zielgruppe. Auf Wunsch spielen wir Musik ein und halten eine Ansprache." Viele Paare wollten allerdings auch einfach nur ihren Partnerschaftsvertrag unterschreiben, ohne viel Aufregung, weiß Brenke.

In Friedrichshain ist die Nachfrage eher verhalten. Eine Handvoll Interessierter habe bislang angerufen, sagt Standesamtsleiter Heribert Johst. Mit der Terminvergabe warte man bis zum 1. August. Vorschriften für die Standesbeamten gebe es nicht. Jeder solle sich individuell inspirieren lassen, was Hochzeitszeremonie und Ansprache für homosexuelle Paare angehe.

Heute wurden die Standesämter über die genauen Vorschriften für die Anmeldung einer Lebenspartnerschaft informiert. Sowohl Zeremonie als auch Formalitäten unterscheiden sich von Amts wegen kaum von denen bei der Trauung heterosexueller Paare. Anders als diese müssen die Lesben und Schwulen aber vorher zwingend zum Notar und sich den Lebenspartnerschaftsvertrag und eine Erklärung über das Güterrecht bescheinigen lassen. Das kostet durchschnittlich 100 Mark, schätzt Mittes Amtsleiter Ahnert. Aber auch sonst kommt den homosexuellen Paaren ihre Neigung relativ teuer zu stehen. Während eine standesamtliche Eheschließung für heterosexuelle Paare bundeseinheitlich 60 Mark kostet, wird die Beurkundung einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft in Berlin voraussichtlich 150 Mark kosten. Dazu kommen 20 Mark für die Urkunde, die für Heterosexuelle nur neun Mark kostet. Allerdings gilt diese Gebührenverordnung noch nicht. Bis es soweit ist, werden auch für die Homo-Paare nur die 63 Mark Verwaltungsgebühr für die Ausstellung von Anträgen und Urkunden fällig.

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