Berlin : Hooligans rüsten sich zur Fußball-Schlacht

Der 1. FC Union und BFC Dynamo sind wieder in einer Liga vereint – das alarmiert die Polizei

Felix Gaber,Jörn Hasselmann

Die Polizei kann im August schon einmal für die Fußball-WM üben. Vier Spiele sind am 21. August angesetzt; darunter das Pokalspiel Bayern München gegen den MSV Neuruppin im Olympiastadion. Die Berliner Hooligans rüsten sich an diesem Tag für eine andere Partie: In der Köpenicker Wuhlheide spielt der 1.FC Union gegen BFC Dynamo. Die Fans beider Vereine hassen und schlagen sich seit Jahrzehnten. „Das ist ein absolutes Risikospiel“, sagte die Leiterin der Polizei-Sonderkommission „Hooligans“, Iris Tappendorf. Der frühere Stasiclub BFC Dynamo hat nach Einschätzung der Polizei bundesweit die gewalttätigsten Fans. Von den 300 Berliner Fans der „Kategorie C“ (also gewaltsuchend) sind etwa 150 Anhänger des BFC und 40 des FC Union.

Die abgrundtiefe Feindschaft rührt aus DDR-Zeiten her. Der BFC als Sportverein der Staatssicherheit hatte die besten Bedingungen: Nicht nur Schiedsrichter beeinflussten Spiele zu seinen Gunsten, sondern auch die talentiertesten Spieler von anderen Clubs wurden dorthin geschickt – so auch von Union. Mehrere hundert Beamte werden an dem Sonntagnachmittag versuchen, die beiden Lager auseinander zu halten.

Beim Pokalspiel der Bayern, das die Neuruppiner ins große Olympiastadion verlegt haben, übernimmt die Polizei nur verkehrslenkende Aufgaben. Das zweite Pokalspiel Tennis Borussia gegen Bochum gilt als unproblematisch, das Viertligaspiel Yesilyurt - Eberswalde auch.

Die meisten Zuschauer werden natürlich im Olympiastadion erwartet. Der MSV Neuruppin hat den Unterrang gemietet, wo bis zu 35 000 Zuschauer Platz finden. Der Vorverkauf hat in dieser Woche begonnen. Union hofft nach Angaben des Sportlichen Leiters Lothar Hamann auf 8000 Zuschauer im Stadion an der Alten Försterei. Heute trifft sich der Sicherheitsbeauftragte Sven Schlensog mit der Polizei zur so genannten Saisonsicherheitsbesprechung, 14 Tage vor dem Spiel ist ein weitere Runde mit BFC und Polizei geplant.

Weit mehr als die Unioner fiebern die BFC-Anhänger der Begegnung entgegen – etwa 3000 BFC-Fans werden nach Köpenick fahren, schätzt Lüdtke. Denn ihnen schallen immer noch die höhnischen lautstarken Stadion-Gesänge der Unioner vor vier Jahren in den Ohren: „Den Stasiclub sehen wir nie wieder“. Damals wurde der BFC wegen Vereinspleite in die 5. Liga herabgestuft – und Union war dagegen in die 2. Liga aufgestiegen. Doch in dieser Saison spielen beide Vereine in der 4. Liga – und die BFC-Fans werden sich rächen wollen, so wird befürchtet. „Da ist Brisanz drin“, sagte der Fan-Beauftragte des BFC, Rainer Lüdtke: „Wir sehen uns schneller wieder als gedacht.“ Im Jahr 2001, als beide Vereine zuletzt im Berliner Fußballpokal gegeneinander angetreten waren, musste die Polizei Wasserwerfer einsetzen, um die prügelnden Horden zu trennen. Da die Fans im Stadion an der Alten Försterei gut getrennt werden können, wird sich das Kräftemessen der Fans vermutlich im Wald der Wuhlheide abspielen.

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