Berlin : Hooligans unter Beobachtung: Polizei verstärkt ihre Soko

85 Ermittler sollen Randalierer schon lange vor der WM beobachten Beamte rechnen 2006 mit bis zu 10000 gewaltbereiten deutschen Fans

Jörn Hasselmann

Hooligans stehen ab 1. November unter noch intensiverer Beobachtung der Polizei als bisher. Sieben Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft formiert sich an diesem Tag im Landeskriminalamt eine neue Spezialeinheit, die Soko „Aufklärung Fußball-WM“. Dies kündigte Polizeipräsident Dieter Glietsch gestern an. 85 Ermittler sollen lange vor der WM die Szene genau beobachten. Die gut 20 Polizisten der bestehenden „Ermittlungsgruppe Hooligan“ werden in die neue Soko integriert. Die meisten der neuen Beamten kommen vom LKA 63 (Aufklärung und Observation). Ihre Gesichter sind – im Gegensatz zu denen der „EG Hooligan“ – in den Berliner Stadien noch unbekannt. Eingebunden in die neue Soko sind aber ebenso Experten, die sich mit der so genannten Türsteher-Kriminalität beschäftigen, die enge Kontakte zur (Ost-Berliner) Hooligan-Szene unterhält. Die „Rädelsführer sollen noch besser identifiziert werden können“, sagte Glietsch gestern.

Bundesweit gibt es 3000 Fans der hartem Kategorie „C“ (gewaltsuchend) und 6500 der Kategorie „B“ (gewaltgeneigt). Die Polizei glaubt, dass diese Problemfans in die Hauptstadt Berlin kommen könnten, außerdem eine noch überhaupt nicht einzuschätzende Zahl aus den teilnehmenden Nationen. Da die in Berlin spielenden Mannschaften noch nicht feststehen, müsse für genauere Analysen der Tag der Auslosung, der 9. Dezember abgewartet werden, hieß es. Denn es gibt so genannte Hochrisikospiele, wie zum Beispiel Polen oder Griechenland gegen die Türkei oder auch Holland gegen England. Aus allen Ländern kommen zwar szenekundige Polizeibeamte nach Deutschland, doch einige Länder aus dem Osten Europas haben nicht die personelle Stärke und Erfahrung wie zum Beispiel die holländische oder englische Polizei.

Die Soko Aufklärung hätte alleine mit den 1200 bekannten Berliner Fußball-Gewalttätern der Kategorien B und C genug zu tun. Glietsch kündigte an, es werde das gesamte rechtlich mögliche Instrumentarium eingesetzt, von Meldeauflagen, Platzverweisen, Aufenthaltsverboten bis hin zu vorbeugendem Gewahrsam. In den kommenden Monaten und während der WM will die Polizei gegen Straftäter wie in den letzten beiden Jahren am 1. Mai vorgehen: Randalierer werden beobachtet und gefilmt und die Täter dann von speziellen Festnahmetrupps in einem günstigen Moment aus der Menge geholt. Wegen der groß angelegten Sicherheitskontrollen vor den Stadien werden sich Hooligans, so vermutet die Polizei, eher abseits gelegene Plätze für Schlägereien aussuchen.

Die Stärke der Soko von insgesamt 85 Mann soll zur WM noch aufgestockt werden. Im Vorbereitungsstab zur Weltmeisterschaft arbeiten im Polizeipräsidium mittlerweile 17 Beamte. Ihre Zahl wird in den kommenden Monaten steigen. 600 Polizisten erhalten derzeit Englischunterricht. „Wir sind im Zeitplan“, sagte Ingo Rogge, WM-Koordinator der Polizei, gestern. Auch im Falle der „abstrakten Gefahr“ eines terroristischen Angriffs sieht sich die Polizei gut gerüstet. Beim Staatsschutz arbeite bereits eine Dienststelle für die Gefahrenanalyse des politischen Extremismus, sagte Glietsch. Während der Weltmeisterschaft vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 werde über die aktuelle Gefährdung ein tägliches Lagebild erstellt.

Schon seit August ist eine Sonderkommission gegen Taschendiebe aktiv, denn zum Großereignis WM rechnet die Polizei mit einer unübersehbaren Zahl professioneller Taschendiebe in Berlin. Die Fahnder der Soko „Tasche“ haben bereits 100 Diebe festgenommen, von denen 50 einen Haftbefehl erhielten.

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