Berlin : Hoppegarten ist aus dem Rennen

Betreiber will Insolvenz für die Galopprennbahn anmelden

Ingo Wolff

Noch werben Plakate für den nächsten Renntag auf der Galopprennbahn Hoppegarten. Doch die Veranstaltung am 14. August ist ebenso abgesagt worden wie alle anderen in diesem Jahr. Lediglich am 28. August sowie am Tag der Deutschen Einheit sollen Pferde starten. Alle anderen Rennen sollen in Dresden stattfinden, weil die Rennbahn Hoppegarten pleite ist. Der „Union-Klub von 1876 zu Berlin“ als Betreiber wird voraussichtlich Insolvenz anmelden, weil sich die finanzielle Situation dramatisch zugespitzt hat. Das wurde vom dreiköpfigen Präsidium um den erst vor kurzem gewählten Präsidenten Peter Jerk gestern in einer Telefonkonferenz beschlossen. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Bahn soll aber erst heute fallen.

Zunächst war nur das Hauptrennen für den übernächsten Sonntag, der Große Preis von Berlin, abgesagt worden. Doch inzwischen ist nicht mal genug Geld für die anderen Rennen am selben Tag vorhanden.

Schon vor sechs Wochen hatte der Union-Klub nach einem Gespräch mit dem Hamburger Rennclub eine Veranstaltung Ende Juni kurzfristig gestrichen. Die offizielle Begründung lautete, dass es Terminüberschneidungen mit der einen Tag später beginnenden Derbywoche gab – für die vielen Rennen fehlten die Teilnehmer. Doch aus Insiderkreisen hieß es gleichzeitig schon, es mangele auch am Geld.

Schon damals hatte Hauke Wilkens vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit gewarnt. „Die Insolvenz steht doch schon lange im Raum“, sagt der Generalsekretär des Union-Klubs gestern. Die Treuhand-Nachfolgerin BVVG wollte als Eigentümerin dem Union-Klub keine weiteren Darlehen mehr gewähren. In den Jahren zuvor hatte die BVVG dies noch großzügig getan. Von einem hohen sechsstelligen Betrag spricht Wilkens. Der Klub hat die Bahn im Erbbaurecht von der BVVG übernommen und unterhält die denkmalgeschützte Anlage mit seinen kostspieligen Nebengelassen. Eine halbe Million Euro kostet das die 180 Mitglieder. Ein Großteil des Geldes stammt aus den privaten Börsen der Mitglieder. Ein Insider berichtet jedoch, dass die Firma, die die Bahn pflegt, schon seit fünf Monaten kein Geld mehr erhalten hat. Sponsoren und ein Teil der Wetteinnahmen hatten darüber hinaus die Rennen finanziert. Doch diese Einnahmen sind in den vergangen Monaten wegen der Sponsorenflaute versiegt.

Verschärft hatte sich die Situation zuletzt wegen eines Streits zwischen Bund, Land und Klub über ein Stiftungsmodell für die Bahn. Das Geld wird dringend für die Tribünensanierung benötigt. Ohne diese wären Sponsoren laut Wilkens nur schwierig zu gewinnen. Er konnte ohne ansprechende Infrastruktur seit geraumer Zeit keine Sponsoren mehr für ein langfristiges Engagement überzeugen.

Am gestrigen Vormittag hatte Wilkens mit dem Bundeskanzleramt ein letztes klärendes Gespräch über die Rettung der Bahn geführt. Doch das Kanzleramt verwies nach längerer Prüfung auf die Zuständigkeit Brandenburgs. Dort hält man die Stiftung trotz einer ehemals gegebenen Zusage für noch nicht entscheidungsreif.

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