Berlin : Hoppegarten: Statt der Pferde kreisen die Gerüchte

Ingo Wolff

Die Stimmung auf der Rennbahn Hoppegarten wirkt nach dem Lizenzentzug durch den Galoppsportverband wie so oft in der Vergangenheit: Das Chaos beim Union-Klub scheint kaum noch steigerungsfähig, und dennoch sickern immer mehr Informationen über den Rennbahnbetreiber in die Öffentlichkeit, die die desolate Situation unterstreichen. Obwohl der Union-Klub inzwischen Widerspruch gegen den Lizenzentzug eingelegt hat, mehren sich die Kritiker, die der Führung unfähiges Handeln und Hinauszögern eines Rettungsplanes vorwerfen.

Die Führung des Rennvereins fühlt sich inzwischen in die Ecke gedrängt. Sie schiebt die Schuld aber denen zu, die ihrer Meinung nach ihr Handeln blockieren: So der Treuhand-Nachfolgeanstalt BVVG, die noch das Gelände verwaltet, und dem Direktorium in Köln, das vorrangig die Interessen der westdeutschen Bahnen wahrnehme. Erstaunlich wirkt allerdings, dass eine Kommission der Besitzervereinigung mit Günter Paul und Rolf Leisten ausgerechnet von Personen besetzt ist, die das Desaster mitverursacht haben sollen. Ein Befreiungsschlag gelingt jedenfalls nicht. Der Dachverband weist den Vorwurf mangelnder Unterstützung zurück, man habe ausreichend geholfen. Einzig BVVG-Pressespecher Reinhard Bauerschmidt äußert sich nicht.

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Mit einem neuen Finanzentwurf startet der Union-Klub nun einen letzten Versuch, den Rennbetrieb zu retten. Doch Bereitschaft, dem Union-Klub zu helfen, ist kaum noch vorhanden. Es habe schon viele Problemfälle im deutschen Galoppsport gegeben, sagt ein Direktoriumsmitglied, aber dass ein Verein schon im März kein Geld mehr besitze, so etwas habe es noch nie gegeben. Im ersten Finanzentwurf waren nur 230 000 Mark Sponsorengelder für die gesamte Saison ausgewiesen, und das bei einem Bedarf von mindestens zwei Million Mark. Auf Verbandsseite verstehe keiner mehr das Handeln des Union-Präsidiums.

Die Kritik wird von Betreibern der übrigen ostdeutschen Rennbahnen präzisiert. Der Union-Klub habe sich in der Vergangenheit häufig überheblich verhalten. Eine direkte Zusammenarbeit oder ein Runder Tisch wurden ausgeschlagen, und Probleme seien nicht offen angesprochen worden. "Dabei wussten die doch im vorigen Jahr schon, wie die Situation aussieht", sagt Christoph Winkler, Präsident des Dresdner Rennvereins und selbst Mitglied im Union-Klub. Die ostdeutschen Rennvereine sind besorgt, hängt der eigene Betrieb doch von Hoppegartener Ställen, Pferden und Trainern ab. Wird nicht schnell für Ersatz gesorgt, könnte sich das negativ auf den Galoppsport in ganz Ostdeutschland auswirken. Gehandelt hat inzwischen das Land Brandenburg. Mit einer Investorengruppe wurde eine Absichtserklärung unterschrieben, in der die Privatisierung des Geländes forciert wird. Dort soll ein Themenpark entstehen.

Der Klub geht dagegen davon aus, dass man am 6. Mai mit dem traditionellen Möbel-Hübner-Rennen die Saison beginnen kann.

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