Berlin : Hoppegarten: Vier Renntage abgesagt

Ernst Podeswa

Die Rennpferde drehen jeden Morgen ihre Trainingsrunden in Hoppegarten, um fit zu sein für den ersten Saisonrenntag am 1. April. Doch es ist kein Aprilscherz, dass dieses Rennen ebenso ausfällt wie die beiden nächsten sowie einer am 16. September.

Damit ist das passiert, was Reinhard Bauerschmidt zuvor als "Horrorszenario" bezeichnet hatte. Der Pressesprecher der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) wollte "weder bestätigen noch dementieren", dass die Rennbahn Hoppegarten das Jahr 2000 mit einem Verlust von 972 000 Mark abschloss. Auch die gestern bekannt gewordene Vermutung, dem für den Rennbetrieb verantwortlichen Union-Klub würden für die neue Saison 2,3 Millionen Mark fehlen, mochte Bauerschmidt nicht kommentieren. Doch richtig sei, dass "gegenwärtig intensive Gespräche über die Absicherung der Rennsaison 2001 geführt werden". Gestern trafen sich Vertreter des Union-Klubs mit Jochen Borchert, Vorsitzender des in Köln ansässigen Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. Sie erläuterten dem früheren Bundes-Landwirtschaftsminister und heutigen Bundestagsabgeordneten die Gründe, die zur Absage der ersten drei Renntage führten. "Ich hatte den Eindruck, dass der Direktoriums-Präsident unseren Entschluss, der wahrlich nicht leicht fiel, teilt", sagte Jochen Palenker, Vize-Präsident des Union-Klubs.

Pikanterweise sind jedoch die Informationen über die finanziellen Probleme in Hoppegarten aus dem Direktoriums-Umfeld in Köln an die Öffentlichkeit gelangt. Darüber ist der Präsident des Union-Klubs, Karl-Heinz Oehler, regelrecht sauer. "Man hat in die Verlustrechnung Darlehen einbezogen, die gestundet und erst rückzahlbar sind, wenn der Union-Klub das Geld hat", sagt der Rechtsanwalt aus Berlin. Er wirft der BVVG-Tochter Hoppegarten GmbH vor, vom vertraglich zugesicherten Zuschuss von einer Million Mark für das Vorjahr habe der Union-Klub nur 200 000 erhalten. Die Überweisung der Million für das Jahr 2001 stehe gleichfalls aus. Er sei auch darüber verwundert, dass Festgeldzinsen von 200 000 Mark aus dem Preußen-Fonds des Landes Brandenburg festgehalten würden.

Die BVVG hatte Ende Januar bekannt gegeben, mit dem effektiven Umgang der Zuschüsse in Hoppegarten und der Sponsorenbeschaffung nicht zufrieden zu sein. Und damit indirekt zu verstehen gegeben, keine Zuschüsse oder Kredite zu gewähren. Der erste Renntag in Hoppegarten ist nun für den 6. Mai vorgesehen.

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