Berlin : Hoppegarten: Wildwest auf der Rennbahn

Ingo Wolff

So entspannt konnte sich Wolfgang Horstmann schon lange nicht mehr den Medien präsentieren. Dem Chef der Treuhand-Nachfolgeorganisation BVVG sah man gestern zwar die schlafraubenden Verhandlungen über die Zukunft der Galopprennbahn Hoppegarten an, doch das Leuchten in seinen Augen verriet, dass er etwas Besonderes verbreiten durfte. Was Pferdefreunde in Berlin und Brandenburg gehofft hatten: Es besteht eine konkrete Hoffnung auf die Rettung der Rennbahn. Hoffnung darauf, sie langfristig zu erhalten.

Horstmann hat nach jahrelanger Suche einen Investor gefunden, der am Rennsport interessiert ist und gleichzeitig ein Konzept erarbeitet hat, um auch den Stallbetrieb und die Nebengelasse zu finanzieren. Eine Holding, die eine Art Themenpark rund um das Pferd plant. Eine Erholungsstätte für alle, die an edlen Rossen interessiert sind und ebenso an Pferderennen. Selbst Kulturfreunde sollen weiterhin auf ihre Kosten kommen. Das Festival "Open Air Klassik" wird planmäßig vom 23. Juni bis 1. Juli auf der Bahn stattfinden.

Der neue Investor in Hoppegarten ist ein Kenner der Rennbahn. Bernhard von Schubert hat bis vor kurzem dem Präsidium des Union-Klubs angehört. Dem Rennverein, der die Renntage in Hoppegarten bisher ausrichtet hat, allerdings vor Wochenfrist die Rennlizenz vom deutschen Galoppsportverband entzogen bekam. Schubert hat zusammen mit Karl-Dieter Ellerbracke, Präsident der Vereinigung aller Galopper-Besitzer und selbst Stallinhaber in Hoppegarten, eine finanzkräftige Gruppe zusammengetrommelt. Sie will das Gelände von der BVVG-Tocher Hoppegarten GmbH teilweise kaufen und teilweise pachten. Sprecher der Gruppe ist Dirk Nishen, der sich als Ausstellungsgestalter der Infobox am Potsdamer Platz einen Namen gemacht hat.

Eine Vereinbarung der neu gegründeten Holding mit dem Land Brandenburg ist bereits unterschrieben. Es fehlt allerdings noch die formelle Absegnung durch das Land, ohne dessen Zustimmung das Gelände nicht übertragen werden darf. Ebenso muss der Union-Klub den noch bestehenden Pachtvertrag mit der BVVG auflösen. Beides soll aber bis zur Vertragsunterzeichnung am 30. Juni gelöst sein. 440 Hektar sollen dann direkt an die Holding gehen, 210 Hektar werden mit einem Pachtvertrag abgesichert. Vorrangig sind das die Trainingsbahn in Neuenhagen und Grünflächen, die die BVVG erst vor zweieinhalb Jahren dazugekauft hat. Filetstücke, auf denen der Investor ein Wellnesshotel und auch ein Kino plant. Aber auch ein Pferdemuseum, eine "Hall of Fame" sowie ein Wild West Camp sind Teil des Konzeptes "Horse Park".

Der Investor will einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe verbauen. Trotzdem muss er Auflagen erfüllen. Beispielsweise dürfen Naturschutzgebiete nicht angetastet werden. Und natürlich wird es weiterhin Galopprennen geben, versichert Horstmann. Deshalb ist auch der Union-Klub in die Gespräche mit eingebunden worden.

Der BVVG-Chef geht davon aus, dass die Sicherheit mit dem neuen Investor auch wieder Ruhe in den Streit um die entzogenen Rennlizenz bringt. Er ist sich sicher, dass Sponsoren nun wieder Interesse an einem Engagement in Hoppegarten haben. "Ich sehe durchaus eine Chance, dass auch in diesem Jahr hochkarätige Galopprennveranstaltungen durchgeführt werden", sagt Horstmann.

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