Hostien im Olympiastadion : Backen für den Papst

Wenn der Papst im Olympiastadion am 22. September eine Messe abhält, dürfen Hostien nicht fehlen. Ein Kloster in Brandenburg hofft, die Hostien backen zu dürfen. Für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. haben sie schon einmal die Hostien geliefert.

Hostien dürfen auf keiner Messe fehlen. Auch nicht, wenn am 22. September der Papst nach Berlin kommt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
23.06.2011 09:07Hostien dürfen auf keiner Messe fehlen. Auch nicht, wenn am 22. September der Papst nach Berlin kommt.

Alexanderdorf - Behutsam schiebt Schwester Theresia einen Holzkasten mit Teigplatten unter einen elektrischen Bohrer. Mit dem Pedal senkt sie wie bei einer Nähmaschine das Metallrohr in die 45 frisch befeuchteten Platten. Dutzende rund drei Zentimeter große Hostien rollen im Benediktinerinnenkloster im brandenburgischen Alexanderdorf raschelnd in einen Korb. Es sieht ein bisschen aus, als würde sie Plätzchen ausstechen.

Schon seit 35 Jahren fertigt die 62 Jahre alte Schwester im Benediktinerinnenkloster das Brot, in dem die Gläubigen den Leib Christi erfahren. Nun sollen auch die Hostien für den Gottesdienst von Benedikt XVI. am 22. September im Olympiastadion aus ihrer Bäckerei kommen. Kirchengemeinden aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen beziehen die Ware aus Alexanderdorf, einem Dorf südlich von Berlin gelegen. Sogar Papst Johannes Paul II. habe sie zu Lebzeiten einmal beliefert, sagt Schwester Theresia.

Wie viele Hostien sie für die Feier in Berlin brauche, weiß die Nonne noch nicht. „Die offizielle Bestellung ist noch nicht eingegangen“, sagt Mitschwester Ruth. Sie hätten aber „genug Kapazitäten“, betont Schwester Theresia. Mit vier Ordensschwestern zusammen könne sie 70 000 bis 80 000 Hostien an einem Tag backen. Im Jahr komme sie auf sieben bis acht Millionen Stück. Das Backen sei eine regelmäßige Arbeit, bei der sie die „Seele auf Gott richten“ könne.

Die Hostien-Platten backt Schwester Theresia jeweils am Vortag. 26 Kilogramm Mehl und 32 Liter Wasser würden für einen Bottich Teig zusammengemischt, sagt sie. Eine Maschine saugt den Teig aus einem Plastikbehälter und spritzt ihn auf zwölf Metallplatten, die automatisch etwa zwei Minuten lang durch den Ofen fahren. Die 1,9 Millimeter dünnen weißen Hostien würden bei 150 Grad, die 2,3 Millimeter dicken Brothostien bei 180 Grad gebacken.

Gelassen legt Schwester Theresia auf einem Tisch fransige Hostien beiseite. Die taugen nicht für eine Messe, sagt sie und sortiert weiter aus. „Wenn jemand so eine Hostie bei der Feier in Berlin kriegen würde, das wäre fürchterlich“, sagt sie und hält eine unförmige Teigscheibe in die Luft. Weggeworfen werde diese aber nicht. „Wir sind froh, dass Leute aus den Nachbardörfern die Reste für ihr Vieh abholen.“ Auf den Papstbesuch freuen sich die Schwestern sehr. „Wir haben uns schon für den Gottesdienst im Olympiastadion angemeldet“, sagt Schwester Theresia und blickt Ruth zufrieden an. (dapd)

Für die Messe im Olympiastadion haben sich mehr als 50 000 Menschen angemeldet. Registrierungen sind noch möglich unter www.papst-in-deutschland.net

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