Hotel Adlon : Schweigen ist Gold

Der reine Luxus: Ricardo Dürner ist Butler in der Präsidentensuite - und die Diskretion in Person

Sebastian Leber

König Abdallah fand er sehr nett. Den Dalai Lama und Michael Jackson fand er auch sehr nett. Und die Queen? „Sehr nett.“ Wenn Ricardo Dürner gefragt wird, wie denn dieser oder jener Gast so war, kommt immer dieselbe Antwort. Selbst seinen engsten Freunden und den Kollegen im Adlon erzählt er nichts Näheres. Und die können ausgesprochen neugierig sein, sagt er.

Ricardo Dürner ist der Butler der Präsidentensuite. Seit neun Jahren schon. Kommt ein Staatsgast oder ein wichtiger Geschäftsmann oder ein bekannter Schauspieler zu Besuch, ist Dürner sein Ansprechpartner. Nur er allein, rund um die Uhr, meistens zwei bis drei Tage am Stück, an denen er Essen bringt, Wünsche entgegennimmt und Fragen beantwortet. Zum Beispiel, welcher Knopf im Badezimmer für die Sauna und welcher für die Dampfsauna ist. Oder wie man den Fernseher automatisch absenkt, damit man vom Bett aus aufs Brandenburger Tor schauen kann. Oder ob Dürner schnell eine Sightseeingtour organisieren kann. Klar kann er das. In anderen Luxushotels wechseln sich die Butler im Schichtdienst ab. „Bei uns muss sich der Gast nur an ein Gesicht gewöhnen.“ Und die Bodyguards auch.

Eigentlich ist Ricardo sein zweiter Vorname, sein erster ist Dirk. Aber der heute 38-Jährige hat schnell gelernt, dass sich internationale Gäste „Ricardo“ besser merken können. Bevor er ins Adlon kam, hat er mehrere Jahre in einem Londoner Nobelhotel gearbeitet. Nein, sagt er, die riesigen Suiten und der viele Luxus um ihn herum machten ihn nicht neidisch. Das könnte auch daran liegen, dass Dürner während seiner Einsätze selbst im Adlon nächtigt. Jeweils in dem Zimmer, das gerade frei ist. So ist er jederzeit erreichbar, Frack und Krawatte liegen immer neben dem Bett, keine zwei Minuten braucht er, um sich anzuziehen. Wenn der Gast nachts um drei Uhr Kamillentee möchte, steht Dürner auf und bringt ihn.

Kündigt sich ein neuer Gast an, geht der Butler erst mal ins Internet und recherchiert, was das überhaupt für ein Mensch ist und welche Gepflogenheiten in dessen Land gelten. Das Lampenfieber kommt erst kurz vorher, sagt er, und es dauert immer genau drei Minuten. Das ist die Zeit, die ein Gast braucht, um von der Empfangshalle nach oben in die Suite zu gelangen. Da kann sich Dürner nochmal lockern, in den Spiegel schauen und dann das Tablett mit den frisch gepressten Säften auf die Hand nehmen. Ob der Gast ihn beim Betreten des Zimmers begrüßt oder ignoriert, ist unerheblich. Dürner weiß nur: Er selbst wird lächeln.

Manchmal kennt er den Gast von früheren Besuchen, „dann entfällt das Abtasten“. Etwa bei Michael Gorbatschow, der war schon sechs Mal zu Gast. Ein „inniges Verhältnis“ haben sie inzwischen, sagt er. Was Gorbatschow ausmacht? „Er ist sehr nett“, sagt er.

Dürner muss sich nicht groß verstellen. Privat ist er genauso. Auch da hält er gerne Türen auf und bietet anderen seinen Sitzplatz an. Nein, seine Freundin nerve das nicht. Die lasse sich gerne hofieren. Oft bekommt er von seinen Gästen zum Abschied Geschenke: Von George Bush senior gab es eine Krawattennadel mit Präsidentenwappen, vom Dalai Lama einen weißen Schal. Und Queen Elisabeth verabschiedete sich mit einem Handschlag – eine große Ehre für einen Butler. An Tom Hanks hat Dürner auch gute Erinnerungen. Der war zu Gast und brauchte einen Dolmetscher, also bat er Ricardo zu sich auf die Couch. Das sei vielleicht eine komische Situation gewesen! Nicht wegen des Übersetzens und auch nicht wegen des Hollywoodstars. Sondern weil sich Ricardo auf die Couch setzen sollte. Ein guter Butler steht doch immer.

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