Berlin : Hotel Interconti und Auswärtiges Amt werden abgeriegelt

15000 Polizisten schützen Israels Präsident und US-Außenminister. OSZE-Konferenz, EU-Gala und 1. Mai halten Sicherheitsbehörden in Atem

Jörn Hasselmann

Ab heute früh gilt rund um das Hotel Interconti wieder Sicherheitsstufe 1. Wie bei der Afghanistan-Konferenz vor einem Monat wird das Luxushotel bis Freitag weiträumig abgeriegelt, die Budapester Straße und die Stülerstraße sowie die angrenzenden Nebenstraßen werden für Autofahrer und teilweise auch Fußgänger gesperrt.

In dem Hotel werden ab heute der israelische Staatspräsident Moshe Katzav und der amerikanische Außenminister Colin Powell während ihres Berlin-Besuches wohnen. Katzav ist auf Einladung von Bundespräsident Johannes Rau zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Berlin, Powell kommt für einen Tag als Gast der Antisemitismus-Konferenz in die Stadt. Da beide zu den weltweit gefährdetsten Politikern gehören, sind die Sicherheitsmaßnahmen extrem streng. Auf den Dächern werden Präzisionsschützen postiert, schon am Dienstagnachmittag wurde begonnen, Gullideckel zu verschweißen; Taucher suchten den Landwehrkanal nach Bomben ab.

Ähnlich sieht es am Auswärtigen Amt in Mitte aus. Dort beginnt heute eine zweitägige Tagung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), sie wird heute um 9 Uhr von Bundespräsident Rau eröffnet. Die Polizei wird bis morgen die Straße Werderscher Markt und den Schloßplatz abriegeln (siehe Grafiken). Wegen der Konferenzen, Staatsbesuche, der Gala zu EU-Osterweiterung und den vielen Demonstrationen am 1. Mai werden in dieser Woche 15 000 Polizisten aus fast dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz sein.

Die Duisburger Beamten, die Dienstag früh das Jüdische Gemeindehaus an der Fasanenstraße schützten, bekamen schon an ihrem ersten Arbeitstag einen Eindruck von der Berliner Realität. Wie am Montagabend im Hotel Hilton am Gendarmenmarkt ging Dienstag früh eine telefonische Bombendrohung im Hotel Kempinski in der Fasanenstraße ein. Die Polizeiführung entschied, anders als tags zuvor im Hilton, die Drohung „nicht ernst zu nehmen“. Das Kempinski musste nicht geräumt werden. Die Hoteldirektion verweigerte eine Stellungnahme. Im Jüdischen Gemeindehaus gegenüber fand gestern im Vorfeld der OSZE-Konferenz eine Tagung des Jüdischen Weltkongresses statt, anwesend waren auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und Israels Botschafter Shimon Stein.

Für die Polizei ist vor allem der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten sehr arbeitsintensiv. Denn Katzav hat viele Programmpunkte – seine Sicherheitskolonne, die aus etwa 40 Wagen und Motorrädern besteht, ist ständig unterwegs. So gibt es Termine im Schloss Bellevue, im Reichstag, an der Gedenkstätte am Bahnhof Grunewald und im Tiergarten zur Einweihung der Yitzhak-Rabin-Straße. Heute ist zudem der neue spanische Ministerpräsident Zapatero in Berlin und wird im Kanzleramt empfangen.

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