Berlin : Hotel Radisson: Der allerletzte Check Out

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Ab sofort ist das leer geräumte Radisson-Hotel fest in der Hand der Bauarbeiter. Das frühere Palasthotel an der Ecke Spandauer Straße wird eingerüstet; die Zimmer werden von Leitungen, Türen und Fenstern befreit, nachdem alle noch einigermaßen brauchbaren Einrichtungsgegenstände anderen Hotels oder karitativen Einrichtungen geschenkt wurden. In einem Monat rücken Abrissbagger an. Deren Scheren an den zwanzig Meter langen Auslegern zermalmen den Stahlbeton des 1979 von einer Schwedischen Firma gebauten einstigen Fünf-Sterne-Hotels. Dabei fallen etwa 16 000 Lkw-Ladungen Schutt an; ein Abtransport auf dem Wasser wird erwogen, zumal er den Verkehr auf den umliegenden Straßen entlasten würde. Die Zeit drängt: Ab 30. Juni soll bereits mit dem Hochbau des künftigen "Dom-Aquarée" begonnen werden. Dieses neue City-Quartier, das die Difa (Deutsche Immobilienfonds AG) für 870 Millionen Mark baut, besteht aus je einem Büro- und Wohngebäude, einer Tagesklinik und einem neuen Radisson-Hotel mit 429 Zimmern und einer Badelandschaft unter dem gläsernen Dach. Architekt Sergei E. Tchoban sieht in seinem Entwurf eine Wiederherstellung der historischen Stadtstrukturen mit Plätzen und Gassen, und die Fachleute zerstreuen alle Befürchtungen wegen eventueller Schäden an den umliegenden Gebäuden, vor allem am Dom und an der benachbarten Heiliggeist-Kapelle. Schwingungsmessungen signalisieren Erschütterungen, die beim Abbruch des alten Hotels und beim Ausschachten der zwölf Meter tiefen Baugrube entstehen. Der Komplex wird, wie bei den Häusern am Potsdamer Platz, in einer Trogbausohle errichtet. Ralf Armbruster von Züblin-Spezialbau: "Wir bauen so tief und so schwierig wie möglich."

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