Berlin : Hotel Stadtschloss

Die Museen wollen auf Flächen verzichten – das beflügelt die Fantasie des Aufbauhelfers. Von Boddien sieht neue Nutzungschancen

Christian van Lessen

Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss hat schon neue Visionen: Im künftigen Schloss könnte es nun Platz für ein großes edles Hotel geben, für einen noblen Bürotrakt, für Restaurants ohnehin, alles in einem Ambiente „wie rund um den Gendarmenmarkt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“

Mit der Ankündigung der Staatlichen Museen, auf einen großen Teil seiner geplanten Schloss-Flächen zu verzichten, gerät das künftige Innenleben der Barock-Vision jedenfalls erst einmal aus den Fugen. Die Planung muss verändert werden. Von Boddien hat ausgerechnet, dass sich der bislang geplante kommerzielle Anteil von 25 Prozent für ein „Veranstaltungszentrum“ auf 40 bis 50 erhöhen könnte. Sollte im künftigen Schloss also annähernd die Hälfte privat genutzt werden können, „lässt sich das realistisch rechnen“. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hatte zuvor von einem „Angebot“ gesprochen, die Chancen zur Schloss-Finanzierung zu verbessern. „Es ist kein Rückzug von uns“, betonte gestern Stiftungssprecherin Stefanie Hauer. Die Stiftung will nun in Köpenick ein zentrales Depotgebäude bauen. Damit werden rund 12000 Quadratmeter Depotfläche, die ursprünglich im Schloss als Teil des „Humboldt-Forums“ vorgesehen waren, frei. Wilhelm von Boddien rechnet gar mit 14000 Quadratmetern, die einem privat finanzierten Veranstaltungszentrum „Agora“ hinzugefügt werden können. Pläne für ein Hotel am Schloßplatz hatte es schon vor zehn Jahren gegeben.

Bund und Senat waren sich Anfang des Jahres erst einmal einig, den Schloss-Aufbau wegen der Haushaltslage für zwei Jahre aufzuschieben. Auf rund 670 Millionen Euro sind die Gesamtkosten veranschlagt, 80 Millionen davon will der Förderverein für die Wiederherstellung der Barockfassaden beitragen, 360 Millionen sollen von privaten Investoren, 230 Millionen aus privaten Kassen kommen. „Der Bau eines Schlosses ist in der gegenwärtigen Sozialdebatte nicht gut vermittelbar“, sagte von Boddien, aber in zwei, drei Jahren könne das Projekt starten.

Möglicherweise habe man bald zehn Millionen Euro zusammen. „Wir haben gerade eine große Spende in der Mache.“ Die großen Geldgeber aber fragten schon: Was passiert, wenn das Schloss nicht gebaut wird? Er hoffe, bei einem Gespräch im Bundeskanzleramt am 5. August „letzte Klarheit“ zu bekommen. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte vor Monaten Senat und Bund aufgefordert, sich stärker für den Schloss-Aufbau einzusetzen. Der Abriss des früheren Palastes der Republik, der auf altem Schlossgelände steht, soll im Frühjahr beginnen. Gegen das Ergebnis eines ersten Ausschreibungsverfahrens ist nach Auskunft der Senatsbehörde für Stadtentwicklung von einem Bewerber Widerspruch eingelegt worden. Dies verzögere die Planung um höchstens fünf Wochen, hieß es.

Am Sonntag endet im Palast die Terrakotta-Armee-Ausstellung, die rund 300000 Besucher zählte. Bis zum Herbst wird das Haus für diverse Kulturveranstaltungen genutzt.

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