Berlin : Hotel zur heißen Wanne

Der Admiralspalast beherbergte nicht nur das Metropol, sondern auch einen luxuriösen Badetempel – der jetzt wiederbelebt werden soll

Claudia Keller

Wo heute Staub und Mörtel unter den Schuhsohlen knirschen, räkelten sich vor 70 Jahren Damen und Herren im Sole-Bad. Sie ließen sich massieren, bei der Friseuse ondulieren und von Freudenmädchen animieren. Und das alles 24 Stunden am Tag im Admiralspalast an der Friedrichstraße. Hier schwitzten die Großstädter ihren Champagner-Rausch aus, hier stiegen Reisende in die Wannen, wenn sie kein Hotel mehr fanden. So beschreibt es der Journalist und Schriftsteller Joseph Roth.

Das heute so trostlos wirkende Gebäude war damals ein Vergnügungstempel auf fünf Etagen, das legendäre Metropol-Theater machte nur einen Teil davon aus. Im Stockwerk darüber erstreckte sich eine Badelandschaft vom Feinsten. Falk Walter, der neue Besitzer des Admiralspalastes, will sie aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Möglich wäre das, denn all die goldenen und blauen, roten und grünen Wandmosaike, die vielen wunderschönen Fresken und Medaillons sind erhalten. Sie lagern in 47 Kisten verpackt im Landesdenkmalamt. „Morgen könnte es losgehen“, sagt Frans Dikmans. Selbst die Solequellen sprudeln noch.

Dikmans, 45, ist Architekt und kennt den Admiralspalast mit seinen vielen Gängen, Zwischenebenen und versteckten Türen wie kaum ein anderer. In den vergangenen Jahren hat er in Archiven und Büchern so ziemlich alles über das Gebäude zusammengetragen, was es gibt – zunächst für die Stage-Holding, dann für Falk Walter. Dikmans Augen leuchten, wenn er Besucher durch den verlassenen Badetempel führt. „Da hab ich angefangen zu kratzen“, sagt er auf einmal und wischt mit dem Schuh den Staub auf dem Boden beiseite. Zum Vorschein kommt ein Marmormosaik. Wir sind im früheren Damenbad. Hier war ein etwa sechs Meter langes, ovales Becken eingelassen. Darüber wölbte sich eine sieben Meter hohe Kuppel. Von ihr ist nichts mehr zu sehen, die Leute vom Metropol-Theater hängten die Decke ab, strichen Estrich auf das Bodenmosaik und nutzten den riesen Raum als Probebühne. Die Decke und Zwischenwände wieder einzureißen, sei kein Problem, sagt Dikmans.

240 Meter tiefer befinden sich die beiden Solequellen, die 1867 die „Admiralsgartenbad-Gesellschaft“ bewogen, hier eine Badeanstalt zu bauen. Eine Solequelle speiste das Damenbad, die andere das daneben gelegene Herrenbad, das sich großzügig um ein rechteckiges, acht mal vier Meter großes Becken entfaltete. Für die Herren und Damen gab es nicht nur jeweils einen Ruheraum, sondern alles, von dem man damals dachte, es nutze Körper und Geist: orthopädische und elektrische Badebecken, Saunabereiche und Massageräume. Zwischen den Ruheräumen befand sich ein Kaffee, das „Bufett“. Und die männlichen Stammgäste wussten sicherlich auch, was Architekt Dikmans aus alten Grundrissen heraus gelesen hat: Dass man über eine Galerie im Männer-Ruheraum zu einer höheren Ebene kam, von der aus man über Abluftlöcher ins Damenbad schauen konnte.

Wer es beim Anblick weiblicher Kurven nicht belassen wollte, konnte freilich noch ein Stockwerk höher gehen: In der fünften Etage hatten Freudenmädchen kleine Zimmer gemietet. „Diese Kabinette haben wir noch ausgeräumt“, sagt Dikmans, jede hatte ein Bett, ein Waschbecken mit Spiegel und eine Umkleide.

Ob sich hier auch schon die Admiräle vergnügten, weiß Dikmans nicht. Denn zu Anfang war das Bad im Erdgeschoss. 1910 wurde dort, wo heute das Metropol-Theater ist, eine Eislaufhalle gebaut und die Bäder ins Stockwerk darüber darüber gelegt, wo sie bis nach dem Krieg in Betrieb waren. In den 60er Jahren wurde aus dem Damenbad eine Bar, in die sich der Direktor des Grandhotels in der Friedrichstraße so verliebte, dass er allen Wandschmuck der Bäder 1987 abnehmen und in 47 Kisten verpacken ließ, um sie in seinem Hotel wieder aufzubauen. Dazu kam es nicht mehr. Zum Glück. Denn nun können Walter und Dikmans sie verwenden.

Aus dem einstigen Damenbad möchte Walter ein luxuriöses Solebad mit mehreren Becken und Wellnessbereich machen. Die „Staatliche Majolika Manufaktur“, die das Bad vor 100 Jahren mit Keramikkacheln und Mosaiken schmückte, gibt es noch. Die Firma sitzt in Karlsruhe und hat ihre Hilfe bei der Sanierung angeboten. Auch mit der Admiralsgartenbad-Gesellschaft hat Dikmans gesprochen. Sie besitzt bis heute die Rechte an den Solequellen und würde sich über die Wiederbelebung des Bades sehr freuen.

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