Berlin : Hotelier Michael Zehden

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Ein wenig stolz ist er schon, aber dennoch sympathisch bescheiden: Seine kleine feine Hotelkette, die Albeck & Zehden Hotels sind unter den Top 300 größten und wichtigsten Hotelketten der Welt zum ersten Mal genannt, auf Platz 226. Das ist für ein familiär geführtes Unternehmen aus Berlin mit „nur“ 7000 Betten, 800 Mitarbeitern und 140 Azubis schon ein toller Erfolg. Am Anfang dieser ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte stand ein Hotel in der Bleibtreustraße, das Hotel Bremen. Eigentlich ein Zufall, weil für das Haus 1988 kein neuer Pächter gefunden wurde, haben sie es modernisiert und selber betrieben. Dann fiel die Mauer und die Zahl der Berlin-Besucher schwoll gerade rechtzeitig zur Eröffnung kräftig an. Für den jungen Mann mit dem Geburtsort Helsinki und dem dänischen Pass war das ein Schlüsselerlebnis für seinen weiteren Berufsweg.

Der Vater war aus Berlin emigriert. Deshalb verbrachte der Sohn seine ersten Lebensjahre in Skandinavien. Er hatte immer Lust auf das Leben und auf Erfolg. Konsequent hatte er seine Schule in Hamburg-Eppendorf mit dem zwölften Schuljahr verlassen und eine kaufmännische Lehre gemacht. Export und Import, der Handel lag ihm im Blut. Nach seinem Abschluss gründete er mit seinem neuen Schwager Ahlbeck eine kleine Importhandlung. Mit ihr ging er 1988 „zurück“ nach Berlin, der Stadt seines Vaters. Ab jetzt wurde das Immobilienmakeln sein Geschäft und da geschah es mit dem Hotel Bremen. Aber damit war die Firma noch nicht bekannt. Das wurde 1991 mit dem Kauf von 61 Prozent des Schlosshotels im Grunewald anders. Sie ließen das traditionsreiche Westberliner Haus für viel Geld in drei Jahren von Karl Lagerfeld ganz neu gestalten und „einkleiden“. Aber es hat sich dort draußen nicht getragen, viel Lehrgeld hat Zehden gezahlt; und die Lehren dann selber genutzt und als Berater verkauft.

In den neuen Bundesländern haben sie etliche Häuser saniert, in Leipzig, Weimar und am Templiner See. Große Häuser in besonders attraktiver Lage an Seen oder in den Bergen. In der Spitze hat der bedächtige Mann mit dem von Haaren unverdeckten schmalen, klugen Kopf 25 Hotels geführt. Heute führen sie 17 Häuser, besitzen 10 und setzen gut 56 Millionen Euro im Jahr um. Fünf ihrer Hotels stehen in Berlin, etwa das Crown Plaza.

Vier Sterne sind ihr Markt, große Häuser mit vielen Betten und Restaurants mit bis zu 900 Plätzen. Das und die attraktiven Standorte machen sie interessant für das lukrative Tagungsgeschäft. Der Mensch, der diese Kette mit seinem Schwager zum Erfolg geführt hat, will in fünf Jahren „ruhiger werden“ und das operative Geschäft abgeben. Ein Leben für und in einem kleinen, feinen Hotel an einem schönen Fleck der Erde mit viel Sonne – das ist sein Alterstraum. Die vielen zeitraubenden Ämter in der jüdischen Gemeinde hat der Vater von drei Kindern schon aufgegeben.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Michael Zehden (50), geboren in Helsinki,

Einzelhandelskaufmann und

geschäftsführender Gesellschafter

der Unternehmensgruppe Albeck &

Zehden Hotels, Berlin

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