Hotelneubauten : Investoren bauen auf Berlin-Touristen

Am Hauptbahnhof entsteht bis 2012 ein Hotel – das dritte. Fertige Pläne gibt es auch für den Adenauerplatz. Die Zahl der Zimmer steigt stadtweit auf 115 000.

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Simulation: Markus Gröteke/3dworks.com

Der Berliner Hotelmarkt ist gesättigt – daran zweifeln weder Branchenexperten noch die Banken, die neue Projekte mit äußerster Zurückhaltung begleiten. Dennoch drängen immer wieder neue ehrgeizige Betreiber in die Stadt. Neuestes Beispiel: Hauptbahnhof. Dort hat die Arabella-Starwood-Gruppe jetzt den Pachtvertrag für ein Haus der Marke Sheraton unterzeichnet, die bisher in Berlin nicht vertreten war. Neben 464 Zimmern wird das aus zwei Baukörpern bestehende Projekt auch ein Konferenzzentrum und Einzelhandelsflächen umfassen, und ein „Skywalk“ soll das Hotel direkt mit dem Hauptbahnhof verbinden. Die Fertigstellung ist für 2012 vorgesehen.

Arabella-Starwood-Chef Wolfgang Neumann sagt zur Begründung seines Wagemuts, was alle Hotelinvestoren sagen: Berlin sei eines der wichtigsten Tagungs- und Kongressziele in Europa, es biete enorme Möglichkeiten für weitere touristische Expansion und zeichne sich durch kontinuierlich wachsende Nachfrage aus. Das ist das Prinzip Hoffnung in Reinkultur. Denn zum Jahresende 2009 verfügte Berlin über rund 100 000 Hotelbetten, weitere 15 000 sind im Bau oder zumindest in konkreter Planung. Sollten sie alle auskömmlich gefüllt werden, müsste Berlin seinen touristischen Erfolgskurs mit Nachdruck fortsetzen und statt rund 19 Millionen Übernachtungen (2009) in drei Jahren etwa 25 Millionen pro Jahr schaffen, ein anspruchsvolles Unternehmen. Und selbst ausgebuchte Zimmer garantieren nicht, dass die erzielten Preise auch schon auskömmlich sind.

Interessant für Investoren ist vor allem die gesamte Innenstadt. Auch der Kurfürstendamm wird nicht vernachlässigt: Gegenwärtig verhandeln Bauherr und Bezirk über einen Neubau im Dreieck zwischen Wilmersdorfer und Lewishamstraße, nachdem die letzten Mieter der alten Gebäude teuer abgefunden wurden. Dort sollen je ein Ibis– und ein Etap- Hotel der Accor-Gruppe entstehen, zwei Häuser der preisgünstigen Budget-Kategorie. Baureife Pläne liegen vor, aber Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler lehnt den aktuellen Entwurf wegen der 87-prozentigen Versiegelung des Areals ab.

In den letzten Jahren hat sich in Berlin vor allem die Zahl der Budget-Hotels erhöht. Motel One hat zwei Häuser an der Urania und in der Paulstraße in Tiergarten eröffnet, ein weiteres Haus folgt Ende 2010 am Spittelmarkt und eines 2011 gegenüber vom Hauptbahnhof – dort gibt es dann mit dem Meininger und Sheraton drei Hotels. Am Montag erst öffnete das Easy-Hotel am Rosenthaler Platz in Mitte. Doch auch in der Business- und der Luxuskategorie ist der Boom nicht zum Erliegen gekommen. Noch in diesem Jahr wird das Scandic Potsdamer Platz mit 565 Zimmern eröffnet. Und auch eine in Berlin auffällig rare Hotelart, das kleine Boutique-Hotel der Luxusklasse, wird sich 2010 zeigen, und zwar in Gestalt des Fünf-Sterne-Projekts „Das Stue“ in der ehemaligen Dänischen Gesandtschaft in Tiergarten – die Investoren aus Spanien und Andorra meinen, eine Marktlücke erkannt zu haben.

Die NH-Gruppe plant ein Design-Hotel am Osthafen, in der Alexanderstraße entsteht ein 250-Zimmer-Haus, am Rosenthaler Platz ein 145-Zimmer-„All Seasons“, und die riesige Baulücke am Anhalter Bahnhof soll ebenfalls mit Hotelbetten gefüllt werden. Kein Grund zur Entspannung also. Die Betreiber der vorhandenen Hotels waren auch nur kurz erleichtert, als jüngst ein Projekt aufgeschoben wurde: Dem „Barcelona“ am Alex haben die Banken den Geldhahn zugedreht.

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