Berlin : Hotels mit schlechten Aussichten

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Manchmal fahren Hoteliers mit ihren Betten Achterbahn, obwohl sie gar nicht betrunken sind. „Das Hotelgeschäft ist äußerst sprunghaft“, heißt es beim Westin Grand Hotel in der Friedrichstraße, „wie eine Achterbahn“. Im Moment befindet man sich wohl mitten in der Talfahrt.

Der Mai, traditionell ein Spitzenmonat für die Hotellerie in Großstädten, bescherte den Berliner Hotels in diesem Jahr eine Auslastung von lediglich 47 Prozent. „Das war der schlechteste Mai seit zehn Jahren“, sagt Karl Weißenborn vom Hotel- und Gaststättenverband. Zum Vergleich: Im Boomjahr 2000 waren die 65500 Berliner Hotelbetten im Mai zu 54 Prozent belegt, im vergangenen Jahr immerhin noch zu 49 Prozent.

Solange die Angst vor Terroranschläge anhalte, so lange werde auch der Abwärtstrend dauern, schätzt Weißenborn. Dazu kommt die Konjunkturelle. Geht die Wirtschaft bergab, trifft es die Hotels als erste, während sich der Aufschwung bei ihnen zuletzt bemerkbar mache. Und noch nicht mal Großereignisse wie die Love Parade bringen noch volle Häuser. Während in den vergangenen Jahren die Hotels und Pensionen schon Wochen zuvor ausgebucht waren, stehen dieses Jahr nur bei der „Bettenbörse“ die Raver Schlange – um billige Privatunterkünfte zu ergattern. Mit Stirnrunzeln blickt Weißenborn deshalb in die Zukunft: Es werden immer mehr Hotels gebaut, während die potenziellen Gäste lieber zu Hause bleiben.

Fragt man die Hotels selbst, heißt es, man bewege sich „im gleichen Bereich“ wie 2001 mit knapp 70 Prozent belegten Betten im Juli (Kempinski) , „ungefähr so wie letztes Jahr“ mit 60 Prozent Auslastung im Juli/August (Sorat), „ungefähr das Level vom Vorjahr“ (Westin Grand), „ähnlich wie 2001“ (Hilton). So richtig reden über Auslastungszahlen mag aber keiner. Die Deutschen würden immer reisefauler, prognostizierten Reiseforscher Anfang des Jahres, für 2002 sagten sie zehn Prozent weniger Reisen voraus. Die Tourismus Marketing GmbH will deshalb künftig noch mehr den ausländischen Reisemarkt bearbeiten. Gerade hätten die Briten die Amerikaner als wichtigste internationale Besuchergruppe abgelöst – und das Shopping-Bedürfnis der Gäste ihre Kultur-Beflissenheit. Claudia Keller

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