Berlin : HU-Präsident erklärt Scheitern mit Ost-Faktor

Warum ist die Humboldt-Universität nicht Eliteuni geworden – obwohl sie forschungsstark ist und als Favoritin galt? Präsident Christoph Markschies erklärt sich dies auch mit der Ost-Vergangenheit der Uni: Die HU sei als einzige Kandidatin erst seit 17 Jahren Teil des bundesrepublikanischen Wissenschaftssystems. „Wir waren immer ein Sonderfall“, nennt er in einem Brief an die Unimitglieder einen Grund für das Scheitern. Die Äußerung löste unter Experten in der Wissenschaftsszene gestern Verwunderung aus. Das Argument sei „absurd“, hieß es.

Die HU sei vielmehr nach der Wende massiv unterstützt worden, um an die Tradition der alten Berliner Universität anzuknüpfen. Keine andere Uni in Deutschland habe jemals so gute Chancen gehabt, sich völlig neu auf einem sehr hohen Niveau aufzustellen. Wenn Markschies das Scheitern auf die DDR-Vergangenheit zurückführen wolle, versuche er von der eigenen Verantwortung für das Zukunftskonzept der HU abzulenken. Um den Elitestatus zu gewinnen, mussten die Unis in einem solchen Konzept erklären, wie sie international an die Spitze kommen wollen. Die HU konnte dabei offensichtlich nicht überzeugen. Hinter den Kulissen war gestern zu hören, die Gutachter hätten in dem HU-Konzept „viel heiße Luft“ gesehen. Markschies dagegen sagte, die Gutachter hätten das Konzept als „mutig“ gewürdigt.

Die HU berief sich auch darauf, dass sie nach dem Scheitern in der ersten Runde anders als die Konkurrenz ein völlig neues Konzept auf die Beine gestellt habe. Auch Wissenschaftsstaatssekretär Husung sagte, die Gutachter seien von der positiven Entwicklung der HU beeindruckt gewesen und hätten das Zukunftskonzept als den richtigen Plan bezeichnet. Mit einem größeren zeitlichen Vorlauf für das Konzept hätte sie wahrscheinlich auch den Elitestatus bekommen. tiw/U.S.

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