Berlin : Hubschrauberabsturz: Ursache noch unklar

Verunglückter Bell 412 HP gilt als besonders sicher / Tempelhof erhält eine neue fliegende Intensivstation

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Einen Tag nach dem Absturz eines Rettungshubschraubers nahe Pritzwalk in Brandenburg ist die Unglücksursache weiter unklar. Die Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat die Ermittlungen übernommen, die sich noch über Monate erstrecken können.

Der so genannte Intensivtransporthubschrauber vom Typ „Bell 412 HP“ war am Sonntagabend beim Landeanflug auf den Flugplatz Sommersberg bei Pritzwalk abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Dabei kam der 53jährige Kopilot ums Leben. Der 44 Jahre alte Pilot, der 39-jährige Notarzt und die 38 Jahre alte Rettungsassistentin wurden verletzt, aber nicht lebensgefährlich. Der 70-jährige Patient, den der Rettungshelikopter in Pritzwalk hätte abholen sollen, starb wenig später in einer Klinik.

Nach dem derzeitigen Stand der BFU-Ermittlungen ist bislang nur klar, dass der Hubschrauber aus geringer Höhe abstürzte. Weil Helikopter dieser Größe aber grundsätzlich nicht über Flugschreiber verfügen, können die Ermittlungen laut Jörg Schöneberg von der BFU noch Monate dauern. Auch die Gespräche der Besatzung würden bei diesen Hubschraubern nicht aufgezeichnet. Beides, Flugschreiber und Sprachaufzeichnung, würden die Ermittlungen wesentlich vereinfachen, sagte Schöneberg.

Der verunglückte Helikopter war die einzige „fliegende Intensivstation“ in Berlin. Die umfangreiche medizinische Ausstattung ermöglichte es, auch Schwerstkranke von einem Krankenhaus in ein anderes zu verlegen.

Engpässe bei der Notfallversorgung wird es in Berlin nach dem Absturz trotzdem nicht geben. Bereits heute bekomme das Luftrettungszentrum am Flughafen Tempelhof einen vollwertigen Ersatz, sagte der Leiter des Zentrums, Konrad Böttcher. Außerdem würde zur Not der Intensivtransporthubschrauber im brandenburgischen Senftenberg eingesetzt.

Der zweite Berliner Rettungshubschrauber, der am Universitätsklinikum Benjamin Franklin stationierte „Christoph 31“, könnte die Aufgaben der verunglückten „Bell 412“ mangels Ausrüstung indes nicht übernehmen.

Die in Pritzwalk abgestürzte Maschine wurde 1993 gebaut und flog zunächst in Österreich, bevor sie 1996 vom HDM Flugservice übernommen wurde. Sie war mit Wetterradar und Satellitennavigation ausgestattet, um auch bei schlechten Sichtbedingungen nach Instrumentenflugregeln fliegen zu können. Der Unglückshubschrauber war der einzige in Berlin stationierte, zivile Helicopter mit Nachtflugberechtigung.

Der von einem der renommiertesten Hubschrauberhersteller, der US-Firma Bell-Textron, gebaute „412“ gilt als einer der sichersten und zuverlässigsten Helikopter seiner Klasse. Er ist unter anderem mit einem besonders widerstandsfähigen Treibstofftank ausgestattet, der eine Explosion des Kerosins bei einer Bruchlandung eigentlich verhindern soll. Spektakuläre Unfälle sind bisher nicht bekannt geworden. Weltweit sind rund 500 Exemplare des zweimotorigen Modells im Betrieb, im Rettungseinsatz ebenso wie bei der Versorgung von Bohrinseln und auch als Reisemaschinen von Staatsoberhäuptern. du-/hx

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