Berlin : Hüpfburg

Bernd Matthies

staunt über die WM-Euphorie der Berliner Es wird allmählich kurios, wie sehr Berlin die Fußball-WM mit großen Wünschen und optimistischen Prognosen aufpumpt. Jeder, der uns aus diesem Anlass besucht, sollte darauf eingerichtet sein, in drei Luxushotels gleichzeitig zu wohnen, ohne Rücksicht auf Geld und Bedarf bei Prassi und Vulgaro einzukaufen, zwei Mal täglich sieben Gänge plus Frühstücksbuffet zu futtern und währenddessen rund um die Uhr den Kurfürstendamm auf und ab zu laufen, und zwar auch während der Fußballspiele. Nur so wäre sichergestellt, dass sich die Hoffnungen der zahllosen Veranstalter und Kaufleute wenigstens annähernd erfüllen.

Das heißt: Es würde auch genügen, wenn die Fußballvölker der Welt ihre Kreditkarten zur gefälligen Benutzung vorbeischicken. Denn die Fußball-WM scheint sich langsam vor allem zu einem riesigen Berliner Autosuggestionsereignis aufzublähen, aus dem die Stadt selbst Hoffnung schöpft wie gläubige Katholiken aus einem Marienwunder. Nichts dagegen: Das könnte durchaus funktionieren und das Ende der lähmenden Mäkelei bedeuten. Aber genau so groß ist die Gefahr, dass die real existierende WM die überlebensgroßen Erwartungen nicht erfüllt – und Berlin zusammenfällt wie eine Hüpfburg ohne Luft, wenn die Kicker und ihre Fans weg sind. Wir sollten diese Möglichkeit nicht ganz verdrängen.

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