Berlin : Hüpffrösche und Orgelkalender

Was die Berliner so alles einkaufen und einwickeln.

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Flott zum Fest. Jetzt schnell noch letzte Geschenke shoppen. Foto: Mike Wolff
Flott zum Fest. Jetzt schnell noch letzte Geschenke shoppen. Foto: Mike Wolff

Weihnachten – nichts als Konsum und Kommerz, klagen viele. Also, wenn schon shoppen, dann christlich kaufen: Im Kathedralforum Hinter der Katholischen Kirche 3 im Bezirk Mitte. Da ist der Shop der Buchhandlung Sonnenhaus Ziegler am Montag vor Heiligabend noch geöffnet und man bekommt etwa den Kalender 2014 mit irischen Glaubenssprüchen zu 14.99 Euro. Oder den großformatigen Fotokalender samt CD „Faszination Orgel“, 19.95 Euro. „Den habe ich mir auch gegönnt“, sagt Mitarbeiter Jörg Volpers.

Das Weihnachtsshopping 2013 geht ins Finale, am heutigen Sonntag haben viele Läden und Malls geöffnet. Wie auch in den vergangenen Jahren wickeln zahlreiche Berliner Elektronikzubehör, Laptopspiele und Tabletcomputer ein. Und bestellen im Internet, statt sich durch die proppevollen Läden zu schieben. „Ich nehme derzeit viele Pakete meiner Nachbarn an“, sagt auch Rosi Schröder – sie ist 61, lebt in Kreuzberg 61 und betreibt an der Gneisenaustraße 61 ihren Museumsladen „Froschkönig – Kunst und Skurriles“. Dort bietet die Kunsthandwerkerin auch am Montag noch von 14-18 Uhr Geschenke an, die sich vor allem ältere Berliner gern unter den Baum legen.

So hat sich Stammkundin Angelika Exner gerade die CDs „Zauber der Weihnacht (2)“ geholt, mit digitalisierten alten Weihnachtsliedern auf Schellack aus den Jahren 1907 bis 1950, für 14.90 Euro. In dem Haus, in dem einst Rosi Schröders Großeltern Anna und Johannes Seife kochten und um das sich nun die Enkeltochter kümmert, hat diese ein kleines Museum über ihren Kreuzberger Kiez geschaffen. Hier bekommt man auch Alt-Berliner Geschenke. Kurbel-Spardosen, bei denen ein Vogel die Münze mit dem Schnabel nach innen transportiert; hüpfende Aufziehfrösche, Zirkus-Spieluhren. Nebenan, im Laden Kissinski, bietet die Betreiberin noch „Extraanfertigungen“ für Stickereien und Wäsche.

Getöpferte Weihnachtsgeschenke oder Lehrkursgutscheine auch für Kinder stehen bei den Kunden von Julia Arnold in ihrem Atelier „Traumkeramik Julion“, Tempelherrenstraße 8a in Kreuzberg, hoch im Kurs – auch online. Unweit gibt sich die Kundschaft im Familienwaren-Eckgeschäft „mjot“ an der Friesenstraße 5 die Klinke in die Hand. Eine Tante mit französischem Akzent fragt bei der dänischstämmigen Verkäuferin nach einer Strumpfhose für ihren Neffen. Mitarbeiterin Camilla Gorm Moehl schwärmt von der aus der alten Heimat stammenden Kleidung von „FUB“ und „Aya Naya Mini“. Berlins Kinder werden also auch „Bohème- und Vintage“-Pullis auspacken. God Jul, frohe Weihnacht. Annette Kögel

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