Berlin : Hürriyet auf dem Stundenplan

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Es ging um türkische Kinder in Hessen, die die gleichen Sprachprobleme haben wie die in Berlin. „Koch: An der deutschen Sprache führt kein Weg vorbei“, titelte die Tageszeitungen Türkiye am Donnerstag. Über das Treffen des hessischen Ministerpräsidenten mit dem türkischen Generalkonsul von Frankfurt, Ali Riza Çolak, haben auch andere Blätter fast ganzseitig berichtet. „Natürlich respektieren wir die Muttersprache der Kinder. Deshalb haben wir nichts gegen private Türkischkurse“, wurde Roland Koch (CDU) weiter zitiert. Der türkische Generalkonsul hatte bei dem Treffen jedoch ein anderes Anliegen. „Wir möchten, dass die Kinder in der Schule Türkisch lernen.“

Der Hintergrund: Ausländische Grundschüler hatten bis August 2000 vier Stunden in der Woche „muttersprachlichen Unterricht“, wobei sie Sprache und Kultur ihrer Eltern gelernt hatten. Für dieses „Fach“ haben sie sogar eine Zeugnis-Note bekommen. Sprachexperten erhofften sich von dieser Unterrichtsform, dass die Kinder selbstbewusster werden und dann auch schneller Deutsch lernen. Manch einen Schüler bewahrte die Note vor dem Sitzenbleiben. Nun ist der Unterricht freiwillig und ohne Noten, immer weniger kommen zum Unterricht. Deshalb soll er wieder Pflicht werden.

„Die beiden haben zwei verschiedene Sprachen gesprochen“, schimpfte die Boulevardzeitung Hürriyet. Soll heißen, dass sie aneinander vorbeigeredet haben. Der Verdacht liegt nahe, dass manche Befürworter auch an die eigenen Interessen denken. „Unsere Unterrichtslektüre ist die Hürriyet“, titelte die Hürriyet am Mittwoch stolz. „Die Berliner Morgenpost hat in den Berliner Schulen unter den türkischen Schülern eine Umfrage durchgeführt und hat geschrieben, dass die Hürriyet die einzige Zeitung ist, die sie in ihrer Muttersprache lesen“, berichtet das Blatt. In der Tat hatte eine Schülerin der 11. Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums in Neukölln eine Umfrage unter den nichtdeutschen Schülern an ihrer Schule gemacht und festgestellt, dass sie auch „Medien in der Muttersprache“ nutzen. Zu ihrem Text auf der Jugendseite der Morgenpost erschien eine große Aufnahme einer Mitschülerin mit einer aufgeschlagenen Hürriyet in der Hand. Die Bildunterzeile: „Tugba liest eigentlich lieber den Spiegel oder die Zeit als die Hürriyet, aber sie schaut auch regelmäßig in die Zeitungen, die in ihrer Muttersprache berichten.“ Das Überleben der Hürriyet ist also gesichert – solange genug Türken sie verstehen.

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