Berlin : Hütters Welt GmbH: Erst das Geld - und dann keine Ware

Katharina Körting

Nach der Pleite des Möbelkaufhauses "Hütters Welt GmbH" in der Grenzallee warten Tausende von Kunden auf die bestellten Möbel, einige schon seit Monaten. Viele haben hohe Anzahlungen geleistet. Bei "Hütters Welt" meldet sich indes nur der Anrufbeantworter: "Werte Kunden, aufgrund der Insolvenzeröffnung zum 1. April bleibt unsere Firma geschlossen." Über die bestellten Waren werde man informiert. Man möge sich per Fax an die als Insolvenzverwalter eingesetzte Kanzlei Leonhardt & Partner wenden. Jetzt fragen die Kunden dort nach: "Lieber Insolvenzverwalter, was ist mit meinem Sofa?"

Bei der Kanzlei Leonhardt & Partner am Kurfürstendamm prüft man zurzeit jeden Einzelfall. Nach Angaben eines Mitarbeiters hätten sich schon tausend Kunden gemeldet - und man erwarte noch wesentlich mehr Anrufer und Anfragen. Die Kunden wollen wissen, wann die bestellten und oft auch angezahlten Möbel endlich geliefert werden. "Alle, die nach dem 19. Januar bestellt haben, erhalten nach Möglichkeit ihre Ware", versichert ein mit dem Fall vertrauter Anwalt der Kanzlei. "Problematisch" werde es nur bei denen, die vor diesem Termin bestellt und bezahlt haben. Das angezahlte Geld sei auf jeden Fall weg, eingeflossen in die Tilgung der rund fünf Millionen Mark Schulden, die der ehemalige Inhaber der Firma, Manfred Hütter, bei der Commerzbank hat. Dass die Möbel in diesen Fällen noch geliefert werden, ist eher unwahrscheinlich, heißt es bei der Kanzlei: "großes Fragezeichen".

Verursacht wurde die Pleite des 1956 gegründeten Möbelhauses mit rund 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche, wie berichtet, durch hohe Zins- und Tilgungsverpflichtungen, die Hütter für ein überteuert gekauftes Grundstück tragen musste. Das Vermögen wird nun unter den Gläubigern aufgeteilt, den 67 Angestellten wurde fristgerecht gekündigt. Ein Sanierungskonzept, das Hütter Anfang des Jahres vorlegte und für das die Firma weitere drei Millionen Mark Kredit benötigt hätte, scheiterte Ende März. Alle Möbel, die noch im Lager an der Sonnenallee oder im Verkaufsgebäude stehen, sind Eigentum der Lieferanten - und nicht der Kunden, die auf sie Anzahlungen geleistet haben. Etwa ein Zehntel der Käufer haben ihre Couchgarnituren und Wandschränke vor dem juristisch relevanten Stichtag 19. Januar 2001 geordert - und sind nun höchstwahrscheinlich ihr Geld los.

"Das ist bedauerlich", räumt der Anwalt ein, "aber nicht zu ändern." In manchen Fällen sei der Kunde tatsächlich der Dumme, weil die großen Gläubiger nach geltendem Recht zuerst bedient werden. Die Kanzlei bittet alle Betroffenen, ihr schriftlich und mit Angabe der Auftragsnummer mitzuteilen, welche Lieferungen ausstehen. "Wir können ziemlich zügig Antwort geben", verspricht der Jurist. Die Lieferanten verlieren nichts, weil die Möbel in der Regel bis zur Bezahlung ihr Eigentum bleiben.

Derzeit prüfen die Insolvenzverwalter, ob ein großer Räumungsverkauf bei "Hütters Welt" stattfinden kann. Außerdem werde sich in den kommenden Tagen entscheiden, ob eine andere große Berliner Möbelfirma den traditionellen Neuköllner Standort übernimmt. Zwei Interessenten seien im Gespräch. Das Problem bei den laufenden Verhandlungen ist, dass die beiden Grundstücke, auf denen sich das Lagerhaus und die Verkaufsräume befinden, nicht zur Insolvenzmasse gehören, sondern einer anderen Gesellschaft des ehemaligen Firmeneigentümers Manfred Hütter, der sozusagen bei sich selbst Mieter war. Damit wäre die Konfusion perfekt. Manfred Hütter war gestern für Nachfragen nicht zu erreichen.

Der Anwalt der Kanzlei rät Käufern grundsätzlich, keine hohen Anzahlungen zu leisten, "egal wie zahlungskräftig ein Unternehmen zu sein scheint".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben