Humboldt-Universität : Biermann erhält Uni-Diplom nach 45 Jahren

07.11.2008 17:59 Uhr
Biermann Foto: ddp
Gerührt. Wolf Biermann bei der Verleihung in der Humboldt-Uni. - Foto: ddp

Wolf Biermann war sein Uni-Abschluss 1963 von der Humboldt-Universität vorenthalten worden, weil der Liedermacher sich kritisch gegenüber der DDR-Führung geäußert hatte. Die Verleihung des Diploms wurde nun nachgeholt - nach 45 Jahren.

Als späte Wiedergutmachung hat die Berliner Humboldt-Universität dem Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann nach 45 Jahren sein Diplom für Philosophie überreicht. Die Ost-Berliner Vorzeigeuniversität hatte dem DDR-Kritiker das Abschlusszeugnis trotz erfolgreicher Prüfungen 1963 aus politischen Gründen vorenthalten. Gleichzeitig erhielt Biermann am Abend die Ehrendoktorwürde der Universität für sein Lebenswerk und seine Leistungen als Künstler, Lyriker und Philosoph.

Bereits vor der akademischen Feier hatte die Humboldt-Universität eine "lang versäumten Pflicht" gegenüber ihrem ehemaligen Studenten Biermann eingeräumt.

Die Hochschule ehrte Biermann auch mit Blick auf die eigene Geschichte. Durch seine Lebensleistung habe er auch erheblich dazu beigetragen, dass die Hochschule die Freiheit der Forschung und Lehre heute wieder in Anspruch nehmen dürfe.

Biermanns Theater bereits vor der Premiere geschlossen

Biermann war an der Hochschule von 1955 bis 1957 zuerst im Fach Politische Ökonomie eingeschrieben. 1959 bis 1963 studierte er dort Philosophie und Mathematik. Zu dieser Zeit veröffentlichte er frühe Gedichte in DDR-Zeitungen. Als er mit Freunden 1961/62 ein altes Ostberliner Hinterhofkino zum "Berliner Arbeiter- und Studententheater" ausbaute, blockierte der DDR-Staat seine Pläne. Das Theater wurde bereits vor der Premiere geschlossen.

Ein erstes Auftrittsverbot für den Sänger und Dichter dauerte bis Juni 1963. Im selben Jahr wurde er aus der SED ausgeschlossen. In diese Zeit fällt auch der Entschluss der Humboldt-Universität, Biermann sein Diplom nicht auszuhändigen.

1976 verweigerte die DDR dem Protestsänger nach einer Tournee durch die Bundesrepublik die Wiedereinreise und bürgerte ihn aus - ein bis dahin nur aus der Nazizeit bekannter Vorgang. Biermanns Ausbürgerung löste eine große Protestwelle und einen bis dahin nicht gekannten Exodus ostdeutscher Künstler aus. Erst zum Ende der DDR wurde die Ausbürgerung von der SED auch als großer kulturpolitischer Fehler eingestanden. Biermann lebt heute in Hamburg. Er plant, mit seiner Familie nach Berlin umzuziehen. (jvo/dpa)

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