Humboldtforum : Der passende Rahmen fürs Schloss

Streit gab es schon vor Beginn des internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung des Schlossumfeldes: Modern oder nach historischen Vorbildern - darüber scheiden sich die Geister. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bezieht Stellung.

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Barock mit Bassin. Ein Blick aufs Schloss vom Lustgarten aus – mit der fast sieben Meter breiten Granitschale und dem Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms III. Der König schaut auf Schloss und Rossebändiger, die heute im Kleistpark stehen. F: Stiftung Berliner Schloss/Bundesbildarchiv
Barock mit Bassin. Ein Blick aufs Schloss vom Lustgarten aus – mit der fast sieben Meter breiten Granitschale und dem...

Streit hatte es schon gegeben, als der Rahmen für diesen Wettbewerb noch gar nicht abgesteckt war. Jetzt ist er gestartet: Der Aufruf an die besten internationalen Landschaftsarchitekten, ihre Vorschläge zur Gestaltung des Umfeldes von Berlins wohl spektakulärstem Neubauprojekt einzureichen, dem Schloss. Auf 38 000 Quadratmetern Grundstück und öffentlichen Flächen ist Platz für Wege, Kunst, Skulpturen, Grünflächen und Wasserspiele. Zehn Millionen Euro umfasst das Budget. Die Gewinner erhalten neben Preisgeldern von mehr als 80 000 Euro größtmögliche Öffentlichkeit – auf vermintem historischen Terrain.

Explosiv dürfte die Stimmung schon deshalb sein, weil in der Jury Anhänger einer an der Stadtgeschichte vor 1945 inspirierten Fraktion wie Staatssekretär der Senatskanzlei André Schmitz (SPD) ebenso vertreten sind wie Modernisten, zu denen auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gezählt wird.

Eine Einordnung, die sie selbst so nicht gelten lassen würde. Denn Lüscher beruft sich auf die Position des Landeskonservators, für den die Umgestaltung der Stadtmitte in den Jahren der deutschen Teilung auch ein erhaltenswerter Teil der Stadtgeschichte ist. Doch vorerst ist der Streit, ob historisierende Entwürfe eine Chance hätten, ohnehin beigelegt: „Der ausgeschriebene Freiraumwettbewerb ermöglicht sowohl moderne Wettbewerbsbeiträge als auch solche, die einen weitgehenden Rückgriff auf die historische Gestaltung des Schlossumfelds nehmen“, sagt der CDU-Stadtentwicklungspolitiker Stefan Evers. Aber wie sieht die Senatsbaudirektorin selbst diese Auseinandersetzung, in der sie schon mal kräftig attackiert wurde?

Bildergalerie: Der Schlossplatz im Wandel

Schlossplatz-Chronologie
02.04.2007: Der Palast ist zerteilt und entglast. Unsere Bildergalerie lässt die vergangenen fünf Jahre auf dem Schlossplatz Revue passieren. Foto: Henning OnkenWeitere Bilder anzeigen
1 von 52Foto: Henning Onken
18.08.2011 10:5702.04.2007: Der Palast ist zerteilt und entglast. Unsere Bildergalerie lässt die vergangenen fünf Jahre auf dem Schlossplatz Revue...

„Wir sprechen nicht von einer modernen oder einer historisierenden Gestaltung, sondern von einer Interpretation historischer Spuren“, sagt sie. Auch das Schloss werde, einmal erbaut, als „Rekonstruktion der heutigen Zeit, für jeden klar als Bauwerk des 21. Jahrhunderts erkennbar sein“. Weil die zum Fernsehturm gerichtete Ostfassade nicht nach Schlüters Vorbild, sondern von Franco Stella gestaltet wird, als strenge Rasterfassade. Weil das, was vom gesprengten Original übrig ist, als Archäologisches Fenster im Keller des Neubaus zu besichtigen sein wird. Und weil das Schloss als Humboldtforum eine zeitgenössische Funktion erfüllt: Erkenntnis und Wissen über die Kulturen der Welt sollen in Sammlungen und Ausstellungen, Festivals und Foren zelebriert werden. Kurzum, mit dem Neubau „entsteht eine weitere historische Schicht, die in ihrer eigenen Zeitlichkeit“ erlebbar ist.

Für Lüscher wäre also ein Double des Originals nur eine Farce – und das lehnt die Senatsbaudirektorin ab. Lieber sollen „historische Spuren und städtebauliche Bezüge sichtbar werden und erhalten bleiben“. Das heißt: Der Schlossbrunnen kommt nicht wieder vor die Südfassade, weil dadurch seine neue Rolle als „Neptunbrunnen“ im Marx-Engels- Forum zerstört würde. Dafür soll der Platz, auf dem der Schlossbrunnen vor dem Krieg stand, im Wettbewerb frei gelassen werden, als Hinweis auf die historische Spur.

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