Hund und Herr : Die Frühlingstriebe kommen

Helmut Schümann hat einen Hund. Erst war er der Welpenassistent. Nun entdeckt er erschreckt, dass sein Welpe schon Junghund ist und animalische Züge hat.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann mit Hund Wilmer.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann schaut diesmal Wildschweinen zu.Foto: privat

Wilmer entdeckt den Rüden in sich. Es ist ja auch Frühling. Großer Anubis, Hundegott, denkt der Welpenassistent, die Kiddies fangen immer früher an. Wilmer ist jetzt acht Monate alt. Also schon Junghund, weswegen der Welpenassistent nun eigentlich zum Junghundassistenten gereift ist. Aber bleiben wir der Einfachheit halber beim Assi. Dessen Aufgabenbereich hat sich erweitert. Er muss jetzt noch stärker auf Wilmer aufpassen und viel öfter „Nein!“ sagen, oder „Wilmer, komm her“, oder „Wilmer, lass den Hund in Ruhe!“. Wenn der Assi vor wenigen Wochen noch von aufgeregten Hündinnenbesitzern und -besitzerinnen ängstlich angesprochen wurde, ob Wilmer ein Rüde sei, konnte er gelassen antworten: „Na ja, der will mal einer werden, noch ist er Welpe, da ist nur heiße Luft.“

Jetzt ist die Antwort anders: „Ist sie läufig?“ Wenn dann ein „Ja“ kommt, kommt vom Assi sehr schnell: „Wilmer, komm her!“ Er, der Assi, will ja nicht regresspflichtig werden und möglicherweise Alimente zahlen müssen, weil Wilmer den Hundebestand der Hauptstadt vermehrt hat. Wenn Wilmer könnte, würde er den Assi in solchen Momenten wohl als „verklemmten Spießer und Spaßbremser“ beschimpfen, als „prüden Kostverächter“ und würde womöglich in den Pubertistenjargon wechseln: „Mhmngmanney!“ So aber kommt er, Entschuldigung in diesem Zusammenhang, mit eingekniffenem Schwanz angetrottet: „Spießer!“

Das Angebot in Berlin ist verlockend

Das Angebot in Berlin ist allerdings für solche wie Wilmer auch reichlich und verlockend. Wilmer macht, was der Assi grundsätzlich für löblich und vorbildlich auch für Zweibeiner hält, nämlich keine Unterschiede. Er ist kein Rassist. Er schert sich auch nicht um etwaige Altersunterschiede. Und ob denn auch die inneren Werte passen, kann man ja immer noch hinterher klären. Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Wilmer ist, der Assi muss das so klar sagen, ein Hedonist. Tröstlich ist dabei, dass offensichtlich alle Rüden in dieser Sache Hedonisten und dabei Zweibeinern nicht unähnlich sind.

Berlin, die Hauptstadt der rammelnden Rüden? Ganz so schlimm ist es nicht, sie hören ja meistens auf ihre Spaßbremser. Es ist dabei zu unterscheiden zwischen dem Dominanz-Rammeln, also dem Aufbocken, um einem anderen Hund klarzumachen, wer Herr im Wald ist, und dem Trieb-Rammeln. Aber beides gilt es zu unterbinden, nicht nur weil Sex in der Öffentlichkeit verboten ist.

Hexe hieß das bislang letzte Objekt von Wilmers Lasterhaftigkeit. Hexe ist ein lupenreines Mischlingsweibchen und stand, das war ihrer Körpersprache deutlich abzulesen, der ganzen Angelegenheit keineswegs ablehnend gegenüber. Vielleicht war auch schon ein zarter Keim von Liebe im Spiel. Auf jeden Fall gebärdeten sich Wilmer und Hexe wie toll, der Assi und die Hexenassi auch. „Och, ihr zwei, spielt doch mal Balli“, sagten sie, wenn die Hunde zur Unzucht schreiten wollten. Noch hilft der Trick.

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