Hund und Herr : Hass und Liebe

Helmut Schümann hat keinen Pubertisten mehr, dafür einen Hund. An dieser Stelle schreibt er, Schümann, nicht der Hund, immer Montags über sein Leben als Welpenassistent in Berlin. Dieses Mal über das leichte, schwere Leben eines Hundes in Berlin.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Hund in Berlin, da hat man’s leicht. Als Hund, soll man meinen. In Berlin sind 100 000 Hunde gemeldet, mit Wilmer sind es jetzt 100 001. Das allein sind schon mehr Hunde als in jeder anderen deutschen Stadt. Und wenn Wilmer den Welpenassistenten durch die Straßen führt, hat er das Gefühl, dass es noch viel mehr Hunde gibt in Berlin. Also, der Assistent hat das Gefühl, nicht der Hund.

Wilmer wäre es ohnehin egal, er ist nach Selbsteinschätzung der Alpha-Wolf, zumindest stolziert er so daher. Außerdem hat so ein familientauglicher Wilmer-Welpe den unschätzbaren Vorteil, knuddelig und knuffig zu sein. Wilmer besonders, sagt der Assistent. Könnte natürlich sein, dass das alle Hundeassistenten von ihrem Hund sagen. Aber Dr. Frauchen sagt das auch über Wilmer, und die ist schließlich objektiv. „Ist der süß“, sagen die Kinder auf den Straßen.

„Der ist ja noch ein Baby“, sagen die Erwachsenen, „wie niedlich.“ Und die Hundeverächter und Hundehasser gehen stumm vorbei, mit starrem Blick auf Wilmer, ob er sie nur ja nicht anfällt. Dabei hat Wilmer bislang nur ein paar Mäusen und zwei Fliegen etwas zuleide getan. Und Drachen bekämpft. Drachen sind erst mal unbekannte Objekte, Flugdrachen zum Beispiel wie Tauben und Spatzen, denen der Alpha-Wolf lautstark klarmacht, wo der Barthel den Most holt. Ein bisschen sorgt sich der Assistent, wenn Wilmer mit seiner vorlauten Schnauze mal im Grunewald so einen Wildschweindrachen maßregeln will. Ob der sich das gefallen lässt?

Neben den Hundefreunden gibt es auch die Hundehasser

Hund in Berlin hat’s eben nicht immer leicht. Neben den Hundefreunden gibt es auch die Hundehasser. Der Welpenassistent weiß, wovon er redet, er war schließlich langjähriger Vorsitzender des Hundehasservereins. Möglicherweise hat den Vorsitz jetzt die Leserin Veronika L. übernommen. Die hat den Welpenassistenten dieser Tage angeschrieben und ihm mitgeteilt, warum er sich einen Hund angeschafft hat. Weil nämlich der frühere Pubertist aus dem Haus ist und er, der Vater und jetzige Welpenassistent, wieder jemanden braucht, der zu ihm aufschaut und dem er sagen könne, wo es langgeht. Genau, gute Frau.

Auch wenn das mit dem Aufschauen beim Pubertisten schon vorbei war, als der Pubertist 15 Jahre alt war, da musste der Vater immer hoch schauen. Und wenn Wilmer weiter so wächst, dann stellt er sich bald auf die Hinterbeine und knuddelt den Assistenten von oben herab. Außerdem, schreibt Veronika L. sinngemäß, dass Wilmer gewiss auch nur einer ist, vor denen schon die Kinder gewarnt werden müssten, damit sie nicht in die Haufen am Straßen- und Wegesrand tappen müssen.

Aber da schmeißt sich der Assistent mit Vehemenz vor den Wilmer. Und garantiert, dass Wilmer außer einen guten Eindruck noch nichts hinterlassen hat auf Berlins Straßen. Als aufgeklärter Hundebesitzer trägt man nämlich heutzutage stets sogenannte Kotbeutel mit sich, in die die Hinterlassenschaft sauber, umwelt-, kinder- und Frau L.-freundlich entsorgt wird. Wilmer ist nämlich stubenrein und der Welpenassistent draußenrein.

Und als dieser Tage diskutiert wurde, ob ein Weihnachtsbaum aufgestellt werden sollte, teilte Wilmer mit, dass er es ziemlich krank fände, ein Klo mitten ins Zimmer zu stellen.

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