Hund und Herr : Hüpf, hüpf

Helmut Schümann hat keinen Pubertisten mehr, dafür einen Hund. An dieser Stelle schreibt er, Schümann, nicht der Hund, immer Montags über sein Leben als Welpenassistent in Berlin. Dieses Mal über Maulkörbe und Bewegungsfreiheit.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Welpe, das wurde schon erwähnt, fühlt sich ja mehr wie ein Wolf. Der Welpenassistent ist anderer Meinung, aber wenn Wilmer sein Maul aufreißt, zum Beispiel, wenn er sein „Ahhhiah“ zum Besten gibt, sind tatsächlich anstelle der Milchzähne schon ziemlich gefährliche Hauer zu sehen. Nun wissen der Welpenassistent und Dr. Frauchen, dass Wilmer ein kreuzguter Retriever ist, der höchstens Fliegen und Mäusen zu Leibe rückt. Aber weiß das jeder?

Beim Maulkorb wird der Wolf zum zahnlosen Welpen

Über diese Frage sind Wilmer und der Welpenassistent regelrecht in Streit geraten. Der Assi sagt nämlich, dass das nicht jeder weiß, weswegen es nur folgerichtig ist, dass Wilmer in Berlins öffentlichen Transportmöglichkeiten einen Maulkorb tragen muss. Wilmer ist grundsätzlich anderer Meinung. Wenn es um den Maulkorb geht, ist Wilmer schlagartig kein Wolf mehr, sondern kuscheliges Baby, das noch nicht beißen kann, „ich will doch nur spielen“, sagen seine Augen dann. Wer jetzt sagt, dass Wilmer weder reden noch sich mit Gestik und Mimik ausdrücken könne, sollte mal beobachten, was für ein Gewese Wilmer macht, wenn der Assi das Geschirr, an das im Bedarfsfall die Leine angehängt wird, oder den Maulkorb nur in die Hand nimmt.

Die Aufforderung zum "Spaziergang" birgt auch ihre Tücken

Wilmer hat noch einen Zweitwohnsitz, unten in Bayern. Wenn er da ist, skypt er immer mittels Dr. Frauchen mit dem Assi. Und wenn es dort heißt, „komm, Wilmer, gehen wir spazieren, den Klausgraben hoch“, nackt natürlich, wie Anubis ihn schuf, also ohne Geschirr, dann hüpft Wilmer vor Vorfreude und drängelt Dr. Frauchen, dass sie sich vielleicht mal ein bisschen schneller die Wanderschuhe zubindet. Hier hüpft er auch beim Stichwort „Spaziergang“, aber dreht sofort bei und verkriecht sich in den hintersten Winkel, wenn er das Geschirr nur sieht. Es bedarf dann größter Überredungskunst, bis Wilmer endlich angeschlichen kommt zur Ankleidung, „na guuut, wenn’s der Wahrheitsfindung dient.“ „Ja, muss sein“, sagt der Assi, „noch hast du keinen Hundeführerschein.“

Das sind dann Momente, in denen der frühere Pubertist „mhngmanney“ gesagt hätte. Wilmer sagt nichts, versucht sich sein Mieder aber am nächsten Baum abzuschubbern. Das ist jetzt sicher Wasser auf die Mühlen der Hundehasser, die Wilmer und Kollegen aus der Stadt verbannen wollen. Denen sei versichert, dass Wilmer am Zweitwohnsitz das Paradies auf Erden hat, und am Erstwohnsitz auch jede Menge Auslauf. „Komm, Wilmer, Grunewald“, sagt der Assi. Wilmer hüpft.


Jeden Montag berichtet Helmut Schümann über sein Leben als "Welpenassistent" auf der ersten Seite im Lokalteil des Tagesspiegels und natürlich auch online unter: www.tagesspiegel.de/welpen

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