Berlin : Hunde befreit, Züchterin gequält

Karin Gehrke

Über 25 Jahre lang züchtete Hildegard K. Hunde. Die 76-jährige Rentnerin aus Blankenburg gehörte zu den ersten Yorkshire-Züchterinnen der DDR. Ihre letzten Kunden waren Räuber, die sie fesselten, misshandelten und ihre zehn Hunde mitnahmen. "Wir mussten die armen Hunde befreien", sagte Frank B. vor dem Landgericht. Dabei lief der Tierschützer aufgeregt auf und ab. Der 49-jährige B. und der 57-jährige Michael G. zeigten sich geständig, ihre Reue aber war begrenzt. Am Vormittag des 23. Januar 2001 war B. das erste Mal bei der Züchterin aufgetaucht. Im Auftrag militanter Tierschützer. "Ich sah zwei kleine Yorkshire-Terrier, sie waren in ihrem eigenen Dreck, zitterten am ganzen Körper", sagte er und kämpfte nun mit den Tränen. Am Abend tauchte er mit G., wie er in Tierschutzvereinen aktiv, als angebliche Kaufinteressenten auf. Voller Stolz zeigte Hildegard K. Zuchtpapiere und zwei Welpen. Sie sollten 3000 Mark kosten. "Plötzlich sagte einer, sie seien von der Polizei", sagte die Rentnerin als Zeugin. B. habe sie mit Handschellen gefesselt, Arme und Beine mit Klebeband umwickelt und mit einem Gummiknüppel auf die Handrücken eingedroschen. "Dann schmierte er mir Kokosfett ins Haar und streute Mehl darüber." Zwar bedauerten beide Angeklagten die Gewalt, doch ihre "Befreiungs-Aktion" verteidigten beide. "Einige Hunde saßen in einem engen Käftig, alle hatten eingetrocknete Exkremente im Fell." Das rechtfertige aber keine Selbstjustiz, hielt ihm der Richter vor. "Wenn der Amtstierarzt versagt, bleibt keine Wahl", antwortete G. Die Terrier kamen zu neuen Besitzern - nur "Janine" überlebte nicht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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