Berlin : Hunde-Urin: Hölzer helfen nicht!

David Ensikat

"Mach Pfütze", sagt Carola Ruff zu ihrem Hund, und der Hund macht Pfütze. Wenn Carola Ruff stets am richtigen Ort "Mach Pfütze" sagt, dann soll sie ein leuchtendes Vorbild für alle Berliner Hundehalter sein. Die neigen eher dazu, die Pfützenmacherei voll und ganz ihrem Tier zu überlassen.

Deshalb müssen jährlich mehrere hundert Bäume in der Stadt gefällt werden. "Der Urin ist eine Salzlösung, und der giftige Harnstoff und das Chlorid darin verusachen regelrechte Verbrennungen an den Bäumen." Das sagt Hartmut Balder vom Berliner Pflanzenschutzamt. Er war an einer Studie beteiligt, die das Amt zum Pinkelproblem hat anfertigen lassen. Zwischen 100 000 und 200 000 Liter Hunde-Urin ergießen sich täglich über die Gehwege und Grünanlagen der Stadt, etliche davon direkt gegen ungeschützte Bäume.

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Sollen doch die Hundehalter ihre Viecher gegen ein Pinkelholz machen lassen, das sie ständig mit sich tragen! Dieser Vorschlag war gestern einer nicht ganz kleinen, nicht ganz farblosen Zeitung der Stadt zu entnehmen. "Das könnte nur funktionieren, wenn man zuerst den Stock mit dem Urin eines anderen Hundes benetzen würde. Denn ein Hund macht ja nicht gegen den Baum, weil der aus Holz ist, sondern weil er da den Urin eines anderen Hundes riecht", sagt Carola Ruff, die nicht nur das Urinierverhalten ihres eigenen Hundes vorbildlich kontrolliert, sondern auch nocht Chefin des Tierheims Lankwitz ist.

Und überhaupt sind es nur die Hundemänner, die Rüden, die gegen Bäume machen. Hundefrauen betrachten es nicht als so wichtig, Reviere mit dem eigenen Duft zu kennzeichnen. Sie machen einfach irgendwo hin. Umso besser sind die Chancen der Halter, die Pinkelei durch gute Hundeerziehung und ortsgerechten Blasenlassbefehl zu steuern.

Wer nun denkt, die Bäume würden doch prima gedüngt, wenn Waldi fein dagegenmacht, der könnte Recht haben - wenn zu Waldi nicht noch Fiffi, Mausi, Rex und wie sie sonst noch heißen dazukämen. Die Hektoliter, die die Berliner Bäume ertragen müssen, sind schlicht zu viel des Guten - ganz abgesehen von den ätzenden Eigenschaften des Urins. Hartmut Balder vom Pflanzenschutzamt empfiehlt also nicht nur einen Schutz der Bäume "untenherum". Er sagt auch: "In der nächsten Nähe von Bäumen sollten Hundehalter ihre Tiere ihr Geschäft nicht verrichten lassen."

Die festen Bestandteile des Geschäfts seien im übrigen viel ungefährlicher für die Bäume, fügt der Pflanzenschützer hinzu. Die Hundehaufen sind aber zumeist das eklige Thema, wenn es um die tierischen Hinterlassenschaften auf den Berliner Straßen geht. Bis zu 200 Mark müssten Hundehalter eigentlich bezahlen, die den Haufen ihres Darlings nicht säuberlich entsorgen. 1999 wurde nur 25 Mal ein Bußgeldbescheid erlassen. So funktioniert das nicht. Hoffen wir auf die Vorbildwirkung von Frauchen wie Carola Ruff: "Mach Pfütze", aber nie an einem Baum.

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