Berlin : Hundeauslauf halbiert

Forstverwaltung will Gebiet für Vierbeiner im Grunewald verkleinern – Halter sind dagegen

Frank Thadeusz

Für Curth Flatow ist die Welt dieser Tage ganz und gar nicht in Ordnung. Der 82-jährige Theaterautor lässt seinen Schäferhund gerne in dem riesigen Hundeauslaufgebiet im Grunewald laufen. Das Areal wird zur einen Seite von der Avus, von der anderen Seite vom Schlachtensee, der Krummen Lanke und dem Grunewaldsee begrenzt. Kürzlich fiel Flatow und anderen Hundefreunden eine Vorlage der Berliner Forsten in die Hände. Demnach sollen Hundehalter künftig nur noch knapp die Hälfte der bisherigen Fläche nutzen dürfen. „Das ist doch ärgerlich, dass so was über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden wird“, empört sich Flatow und kündigt an, er werde einen Brief an den für die Berliner Forsten zuständigen Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD), schreiben.

Doch entschieden ist im Grunewald noch nichts. Zwar bestätigt der Sprecher der Berliner Forsten, Marc Franusch, dass ein entsprechender Plan vorliegt. Dieser sei jedoch nur Teil eines Konzeptes, von dem noch nichts „spruchreif“ sei. In der Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf sind die frei laufenden Hunde im Grunewald allerdings seit Jahren ein Thema. So beschweren sich immer wieder Spaziergänger und Badegäste über zudringliche Vierbeiner. Nach dem derzeit kursierenden Entwurf der Berliner Forsten müssten die Hunde einen großen Bogen um die Seen machen. Am kommenden Dienstag wird sich der Ausschuss für Stadtplanung und Naturschutz voraussichtlich erstmals mit einer möglichen Veränderung des Hundeauslaufgebietes beschäftigen. Ein neuer Zuschnitt des Areals könne nur im Konsens mit den Bezirken beschlossen werden, sagte Marc Franusch. Neben Steglitz-Zehlendorf gehört auch Charlottenburg-Wilmersdorf ein Stück des zur Diskussion stehenden Waldgebietes. Als Ergänzung zur verkleinerten Auslauffläche im Grunewald käme nach Ansicht von Franusch ein Gebiet im Düppeler Forst in Betracht.

Ob sich die Hundehalter mit so einer Lösung anfreunden könnten, scheint jedoch fraglich. Bettina Rusbüldt betreibt im Grunewald einen Auslaufservice für Hunde. Das Vorhaben der Forstverwaltung hält sie nicht für akzeptabel: „Hunde dürfen in den Seen baden. Warum nimmt man uns dann den Wasserzugang?“. Außerdem würden durch die Änderung Parkmöglichkeiten und die S-Bahn-Anbindung Schlachtensee für die Hundebesitzer verloren gehen. Ohnehin beurteilt sie das Problem ein wenig anders: „Immer wieder werden Hunde von Fahrradfahrern angefahren, aber Hundebesitzer sind viel zu gutmütig, um sich darüber zu beschweren“. Radfahrer wiederum beschweren sich über bissige Hunde, die hinter ihnen her hetzen. Frank Thadeusz

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