Berlin : Hunderte fürchten um ihre Jobs

Hausmeistern, Sekretärinnen und Kirchenmusikern droht die Kündigung – den Priestern nicht

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Um von seinem Schuldenberg herunterzukommen, muss das Erzbistum Berlin 440 Mitarbeiter entlassen. Das haben die Unternehmensberater von McKinsey ausgerechnet. Entlassen werden nicht die Priester, denn die unterstehen in einem beamtenähnlichen Status direkt dem Erzbischof. Und etliche scheiden sowieso in den nächsten Jahren aus, zehn Prozent der katholischen Pfarrer sind über 60 Jahre alt. Die Priester müssen allerdings um ihre Altersvorsorge bangen: Bei den Pensionsrückstellungen besteht eine Unterdeckung in Höhe von 22 Millionen Euro. Lediglich für die nächsten Jahre seien die Pensionen sicher, heißt es im Bistum. Man hofft, den Fonds zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufstocken zu können.

Von Entlassungen bedroht sind Küster, Hausmeister, Sekretärinnen, Reinigungskräfte und Kirchenmusiker. Wen es treffen wird, steht erst Ende Mai fest. Bis dahin will eine Arbeitsgruppe im Bistum einen detaillierten Plan zur Fusion der Gemeinden erstellt haben. „Gerade die Musiker haben doch auf dem freien Markt keine Chance“, sorgt sich Andreas Jaster, der Vorsitzende der Mitarbeitervertretungen. Er befürchtet Willkür bei den Kürzungen, und dass diejenigen, die den wenigsten Schutz haben, als erste gekündigt werden, egal wie viele Dienstjahre sie vorweisen können. Denn nur etwa die Hälfte der 207 Pfarreien habe eine Mitarbeitervertretung. Die anderen hätten weniger als fünf Mitarbeiter und somit nicht das Recht, eine solche zu wählen.

Personalchef Simon ist „überzeugt, dass es gelingt, für jeden der 440 Mitarbeiter eine individuelle Lösung zu finden.“ Man will den Mitarbeitern helfen, eine neue Stelle zu finden, zum Beispiel in einem anderen Bistum. Dazu soll ein bundesweiter BistumsStellenpool eingerichtet werden.

Um künftige Tariferhöhungen nicht mitmachen zu müssen, gäbe es laut Simon drei Wege: In der so genannten Regionalkoda könnte man für das Bistum Berlin eine Sonderregelung finden oder eine Öffnungsklausel aus den Tarifvereinbarungen. Oder aber das Bistum könnte aus der Regionalkoda aussteigen. Die Regionalkoda ist das Gremium, in dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beschäftigungsregelungen aushandeln. Die Vergütung orientiert sich an den Abschlüssen des öffentlichen Dienstes. Ein verheirateter 30-jähriger Hausmeister in einer Pfarrei zum Beispiel verdient nach BAT 3200 Euro Brutto im Monat. Das Erzbistum Berlin ist in der Regionalkoda Nordost oranisiert, zu der auch Hamburg, Dresden-Meißen, Erfurt, Magdeburg und Görlitz gehören.

„Wir hoffen, dass wir eine Sonderregelung für Berlin zur Aussetzung der Tariferhöhung erreichen können“, sagt Simon, „aber selbst wenn es dafür unter den Berliner Vertretern einen Konsens gäbe, ist nicht gesagt, dass die anderen Bistümer zustimmen.“ Die Sonderregelung wäre ihm liebste Weg, aber auch einen Ausstieg aus der Koda will Simon nicht ausschließen. Die Regionalkoda tagt Anfang April. clk

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