Berlin : Hunderte Kinder sind schon angemeldet

Susanne Vieth-Entus

Das Bundesverwaltungsgericht mahnt den Senat, den Antrag der Islamischen Föderation nicht zu verschleppenSusanne Vieth-Entus

Die Islamische Föderation will an über 20 Grundschulen in Kreuzberg, Schöneberg und Wedding Islamunterricht anbieten. Dies kündigte gestern ihr Justitiar, Abdurrahin Vural, auf Nachfrage an. Eine Mitgliederbefragung habe ergeben, dass es an diesen Schulen genügend interessierte Schüler gebe. Unterdessen hat das Bundesverwaltungsgericht den Senat aufgefordert, "umgehend" den Antrag der Föderation auf Erteilung des Islamunterrichts zu bescheiden. Mit dieser "Verpflichtung zur unverzüglichen Umsetzung" vertrügen sich langwierige Prüfungen nicht, heißt es in der dem Tagesspiegel vorliegenden schriftlichen Urteilsbegründung zum Streit über den Status der Föderation als Religionsgemeinschaft.

Wie berichtet, hatte das Bundesverwaltungsgericht im Februar entschieden, dass die Islamische Föderation eine Religionsgemeinschaft sei und damit gemäß Schulgesetz Religionsunterricht erteilen dürfe. Darum hatte die Föderation seit 20 Jahren gekämpft. Sie musste mit der Abgabe eines neuen Rahmenplans allerdings warten, bis das Gericht die Urteilsbegründung schriftlich vorlegte. Beides ist inzwischen geschehen.

Der neue Rahmenplan bietet offenbar keine Handhabe, um die Genehmigung weiter hinauszuzögern. Er sei pädagogisch-didaktisch auf der Höhe der Zeit, inhaltlich "wasserdicht" und stark angelehnt an die Pläne der evangelischen und katholischen Kirche, heißt es in der Schulverwaltung. Dennoch sei noch nicht klar, ob man mit der Prüfung zum Sommer fertig werde, hält sich Angelika Knubbertz, Referentin von Schulsenator Klaus Böger (SPD), bedeckt. So sei noch zu klären, welche Lehrer eingesetzt und welche Klassenstufen unterrichtet werden sollen.

Laut Vural habe die Föderation keine Probleme, genügend geeignete Lehrer zu benennen. Zudem gehe aus dem Rahmenplan klar hervor, dass es zunächst um die ersten bis vierten Klassen gehe. Später sollten die fünften und sechsten Klassen hinzukommen, kündigt er an. Eine weitere Verzögerung von Seiten der Schulverwaltung hielte er für nicht hinnehmbar. Falls die Genehmigung für das kommende Schuljahr dennoch ausbleibe, werde er eine einstweilige Anordnung beim Verwaltungsgericht beantragen. Diese werde er "innerhalb von 24 Stunden" erhalten, gibt sich der Justitiar Vural siegessicher.

Die Föderation ist anscheinend selbst überrascht von dem großen Zuspruch seiner Mitglieder. Bisher war immer von einem kleinen Start mit weniger als zehn Schulen die Rede gewesen. Nun hätten sich an über 20 Schulen jeweils rund 15 Teilnehmer gemeldet, womit dort eine gute Schülerzahl für eine Unterrichtsgruppe vorliege, meint Vural. Die Namen der betreffenden Schulen wollte er nicht nennen, allerdings liege ihr Schwerpunkt erwartungsgemäß in Kreuzberg.

Verhindern können die Schulgremien den Islamunterricht übrigens nicht. Falls genügend Familien Interesse an der Glaubensunterweisung haben, muss der Schulträger die Räume zur Verfügung stellen.

Schulsenator Böger führt unterdessen seine Dialogveranstaltungen zur Wertevermittlung in Schulen weiter.Am 29. Mai geht es in der Friedrich-Ebert-Stiftung um die Bedeutung des Schulversuchs Ethik/Philosophie (19.30 Uhr, Hiroshimastr. 17).

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