Berlin : Hundeverordnung: Verbissener Streit um Kampfhunde

Katja Füchsel

Man kennt sich auf den Zuschauerbänken. Hier ein Kopfnicken, dort Händeschütteln. Lächelnd bahnt sich eine Frau den Weg zu einem freien Stuhl. "Rasselisten trennen Freunde", steht vorne auf ihrem T-Shirt. Noch mehr Nachdenklichkeit verbreitet der Rücken der Zuhörerin. "Warum lasst ihr uns sterben?", heißt es da. Drumherum sind Fotos von Pitbull, Bullterrier oder Tosa Inu platziert.

Rund hundert Hundehalter sind an diesem Morgen in den Plenarsaal gekommen, um die Verhandlung des Berliner Verfassungsgerichtshofs zu verfolgen. Die meisten im Publikum hoffen, hier bei der Urteilsverkündung die Kampfhundeverordnung kippen zu sehen. Weil sie ihrer Ansicht nach gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt. Weil sie willkürlich ist. Und unzumutbar. "Die Verordnung war ein krasser Fehlgriff", sagt Annett Löwe, die Anwältin der Hundefreunde. "Die Halter mussten sich monatelang in der Stadt diffamieren lassen." Heftiges Kopfnicken im Publikum, manche brummeln zustimmend, andere klopfen.

Zwei Mal lässt der Gerichtshof-Präsident die Unruhe im Saal durchgehen, dann schlägt er strengere Töne an. "Ich bitte die Zuschauer, von Beifallsäußerungen abzusehen", sagt Helge Sodan. Noch ist rechtlich nicht geklärt, ob die Beschwerde beim Verfassungsgrichtshof überhaupt zulässig ist. Der Anwalt der Gegenseite, der Sozialsenatsverwaltung, jedenfalls meint, dass sich die 35 Beschwerdeführer an die Verwaltungsgerichte hätten wenden müssen. Das wäre der normale Weg durch die Instanzen. Die Argumente der Hundehalter lässt er ebenfalls nicht gelten. "Die Verordnung war ein richtiger Schritt", sagt Thomas Kunze.

Mit dem Soforterlass hatte Sozialsenatorin Gabriele Schöttler (SPD) vor knapp einem Jahr auf eine tödliche Kampfhund-Attacke in Hamburg reagiert. Zwei Tiere hatten einen sechsjährigen Jungen zerfleischt. Nach dem Berliner Erlass dürfen zwölf Rassen nur noch mit der Leine und Maulkorb ausgeführt werden. Zudem müssen Halter von fünf Kampfhunderassen, die als besonders gefährlich gelten, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorweisen. Dazu gehören Pitbull, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und Tosa Inu.

"Maulkorb und Leine sind gerechtfertigte Einschränkungen in der Großstadt - lästig, aber notwendig", sagt der Senats-Anwalt. Heftiges Kopfschütteln im Publikum. Kampfhunde seien wissenschaftlich erwiesen gefährlicher als Dackel, Pudel oder Setter, legt Kunze nach. Die Tiere verbissen sich regelrecht in ihre Opfer und seien auch aggressiver als andere Hunde. "Die zwölf Kampfhunde-Rassen beißen zusammen weniger als der deutsche Schäferhund", kontert die Anwältin. Bei rund 100 000 Hunden in Berlin sei die Zahl der Unfälle mit Kampfhunden gering. Zweieinhalb Stunden tragen beide Seiten ihre bereits wohlbekannten Argumente vor, dann verkündete das Gericht: Das Urteil zur Kampfhundeverordnung wird am 12. Juli verlesen.

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