Berlin : Hunger auf Fußball und Kunst

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Deutschland und Irland haben unentschieden gespielt? Stimmt nicht. Mit 12:5 hat die grüne Insel die Deutschen vernichtend geschlagen – zumindest in der Galerie Zagreus Koch/Kunst. Dort liefern sich seit Beginn der WM die beiden Köche und Künstler Uli Krauss und Bernhard Thome ein hartes Koch-Duell. Das Spielfeld ist nicht der Rasen, sondern Küche und Teller. Bei ihnen heißt das „Foodball.“ Heute „spielen“ Canard Provencale gegen Enpanadas con Legumas et carne – oder, anders gesagt: Frankreich gegen Uruguay. Das Warmmachen beginnt um zehn, Anpfiff ist um 13 Uhr. Dann werden beide Gerichte auf einem Teller serviert. Das Spiel um die Gaumengunst kann beginnen.

Am Ende stimmen die Gäste ab, welches Essen besser ankommt. Nach sieben Auseinandersetzungen liegt Thome knapp vor Galeriebesitzer Krauss. Dabei sah es nach dem ersten Spiel erstmal „niederschmetternd“ für den 42-Jährigen aus. Am Ende stand es 21:10 gegen sein französisches Menü und für das aus Senegal. „Da hat er eine Geheimwaffe eingesetzt. Der Pass von poulet yassa auf fufu kam voll überraschend – und das auf unserer schwachen linken Seite“, analysiert er die Niederlage. So eine Schmach soll Thome heute nicht wieder passieren, trotz schlechter Grundbedingungen. „Uruguay ist eines der Länder, die mir kulinarisch nichts sagen.“ Er hat improvisiert. Heraus kamen Teigfladen mit Bohnen und Fleisch gefüllt.

12 Uhr. Es riecht nach Thymian und Rosmarin. Im Herd schmort das Entenfleisch, auf dem Gasherd köcheln Bohnen und Rattatouille. Vom Geruchssinn her liegt Frankreich vorne. Aus dem Nebenraum dringt Grölen in die Küche. Das 11-Uhr-Spiel ist im vollen Gange. Auch in der Küche laufen die beiden Spieler zur Höchstform auf. Thome zerkleinert gekochte Eier, während Krauss seinem Ratatouille noch den letzten Schliff gibt. Der Schweiß steht dem 41-Jährigen auf der Stirn. Die schwarzen Kochschürzen zeugen von einem harten Duell. „Eigentlich sind wir absolute Fußball-Laien“, gesteht Krauss ein. Deshalb stehe in der Küche auch kein Fernseher. „Bei uns ist der ’Pass’ die Trennlinie zwischen Küche und Fußball. Da kommt keine Flanke rüber“, erklärt sein Kochgegner die Regeln in der Galerie. Und derer gibt es im Zagreus viele. Die gesamte Galerie steht während der WM-Zeit im Zeichen des Fußballs. Sechs junge Nachwuchskünstler haben für die passende Atmosphäre gesorgt. Zum Beispiel Diana Dodson mit ihren Fotografien oder ihr Kollege, der den n Pfelder trägt, mit seinen Fußballabdrücken an den Wänden des Vorraums der Galerie.

„Ich habe richtig Hunger auf Kunst“, fordert Klaus Steiner seine Portion WM-Spiel. Der 69-Jährige ist zum zweiten Mal zum Essen und Fußballgucken hier. „Das wird wohl ein Unentschieden“, sagt Steiner nach den ersten Bissen in Ente und Fladen. Arndt Schwering-Sohnrey ist auch hin- und hergerissen zwischen linker und rechter Spielhälfte auf seinem Teller. „Die Ente ist der Hammer“, lobt er das Kraussche Agieren auf dem Feld. Die Maisfladen entrücken dem Schauspieler ein verzücktes „Hmmm.“ Foodball gibt es noch bis zum 30. Juni im Zagreus in der Schroederstraße 13. Das Mittagsmenü kostet sieben Euro - Frühstück ab 8 Uhr 30 für fünf Euro . Viola Volland

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