Berlin : Hungrig auf den ersten Kredit

Jung und endlich Chef – wie helfen die Banken? Gründerreport des Wirtschaftsmagazins „Berlin Maximal“

Alexander Visser

Der zuständige Kredit-Sachbearbeiter war schwer beschäftigt: „Ich kann Ihnen einen Termin in vier Monaten anbieten“, sagte er zu Matthias Bonjer. Für den damals 30-jährigen Unternehmensgründer völlig inakzeptabel. „Die Banken warten nicht gerade darauf, jungen Unternehmern Kredite einzuräumen“, sagt der heute 38-jährige Bonjer, einer der beiden Geschäftsführer der PR-Agentur Zucker Kommunikation. Für die erste Finanzierung empfiehlt Bonjer, den Weg zur Bank zu vermeiden: „Das beste Kreditinstitut sind immer noch Freunde und Familie.“

Allerdings kommt kaum ein Firmengründer ohne Dispokredit aus. Auch den räumt eine Bank nicht ohne Weiteres ein. „Das Gespräch mit dem Banker ist wie ein Vorstellungsgespräch, auf das man sich gut vorbereiten sollte“, sagt Maike Götting, Finanzierungsberaterin bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dabei zählen nicht nur Geschäftsmodell, Eigenkapital und Sicherheiten, sondern auch soft skills – die weichen Faktoren. „Jeder Banker sieht sofort, wenn sich jemand das erste Mal in seinem Leben in Nadelstreifen gezwängt hat“, sagt Unternehmer Bonjer. Man solle Kleidung tragen, in der man sich wohlfühle und die für die jeweilige Branche angemessen sei, rät auch Beraterin Götting. Ein künftiger Bestattungsunternehmer brauche ein seriöseres Outfit als der angehende Chef einer Eventagentur. „Treten Sie so auf, wie Sie auch Ihren Kunden begegnen würden“, rät Götting.

Häufiger als unpassende Kleidung wird Jungunternehmern fehlende Management-Erfahrung zum Verhängnis. Wer zwar eine besonders tolle Geschäftsidee hat, aber keinerlei Ahnung von Buchhaltung, Marketing oder Arbeitsrecht, hat schlechte Karten. Andererseits erwarten die Banker keine Universalgenies. „Entscheidend ist, dass man weiß, wo man die benötigten Kenntnisse herbekommt“, sagt Stephan Hoffmann, der bei der Investitionsbank Berlin Hightech- Gründer berät.

Sinnvoll sei auch die Zusammenarbeit mit einem beratenden Partner, der selbst erfahrener Unternehmer ist, rät Hoffmann. „Präsentieren Sie dem vorab Ihr Geschäftsmodell so, wie Sie es einem Banker präsentieren würden“, empfiehlt er. „Er wird wahrscheinlich die gleichen Fragen formulieren.“

Wer im Bekanntenkreis keine Unternehmer hat, kann sich an einen sogenannten Business Angel wenden: erfahrene Geschäftsleute, die junge Gründer beraten und zum Teil auch bei der Finanzierung unterstützen.

Es ist auch nicht verpönt, einen Berater zum Bankgespräch mitzunehmen, so KfW-Expertin Götting. „Der kann dem Jungunternehmer auch ein Feedback zu seinem Auftreten geben.“

Grundsätzlich sind die Chancen für junge Gründer besser geworden, sagt Caroline Beck, Bundesvorsitzende des Verbandes Junger Unternehmer (BJU): „Die Großbanken gehen wieder auf den Mittelstand zu. Davon profitieren auch junge Gründer.“

Mehr zum Thema lesen Sie in dem neuen Wirtschaftsmagazin „Berlin Maximal“ – der ersten Zeitschrift für den Berliner Mittelstand. Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe (erscheint an diesem Freitag): Großbaustelle Schönefeld – profitieren auch Sie von dem Milliardengeschäft.

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